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Fahrlässige Tötung : Urteil im Hamburger Rennradprozess

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Die Vierlande in Hamburg sind das beliebteste Rennradrevier der Stadt. Vor einem Jahr fuhr ein Lkw in eine Radlergruppe, ein 33-Jähriger starb. Das Landgericht Hamburg-Bergedorf verurteilt den Fahrer zu einer Bewährungsstrafe.

Hamburg | Den Spadenländer Hauptdeich kennt in Hamburg jeder Rennradfahrer. Hier kurz hinter der Tatenberger Schleuse ist das Tor zum größten Trainingsgebiet innerhalb der Stadtgrenzen. Hunderte verkehrsarme Straßenkilometer ziehen sich durch das Gemüseanbaugebiet der Vier- und Marschlande im Südosten Hamburgs.
Hier geschah am 8. August 2012 das schreckliche Unglück: Eine rund 25-köpfige Rennradgruppe der Radsportgemeinschaft der Universität Hamburg ist Richtung Osten mit rund 30 Stundenkilometern unterwegs. Ihnen entgegen kommt ein Lkw. Der überholt einen anderen Radfahrer und kommt dabei so weit auf die Gegenfahrbahn, dass er in die Radfahrgruppe hineinfährt. Die erste Doppelreihe der Rennradler kann noch ausweichen, die nachfolgenden Fahrer haben laut Zeugenaussagen keine Chance.

Gedenkstätte an der Unfallstelle

Ein 33-Jähriger stirbt noch an der Unfallstelle an schweren Kopfverletzungen, zwei weitere werden verletzt. An der Unfallstelle befindet sich heute ein Kreuz mit dem Rahmen des Fahrrads des Getöteten.
Unter Hamburger Radfahrern entfacht der Unfall eine Diskussion über das Verhältnis von Radlern und Autofahrern grundsätzlich. Und über die Schuld von Thomas K., dem 34 Jahre alten Lkw-Fahrer. Das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf verurteilte ihn am Mittwoch zu einer Bewährungstrafe von zehn Monaten. Er musste sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Seinen Führerschein darf der 34-Jährige behalten. "Sieh haben die Breite Ihres Lasters falsch eingeschätzt", sagte der Richter.

"Die hatten keine Chance"

Auch ein Radfahrer, der in der Kolonne mit unterwegs war, sagte der "Bergedorfer Zeitung", der Lkw-Fahrer müsse die Breite der Straße oder die Geschwindigkeit der entgegenkommenden Gruppe unterschätzt haben. Er selbst sei noch ausgewichen, "die hinter mir hatten keine Chance".
Die Versionen über das Geschehen gehen dabei weit auseinander. Er habe die Gruppe gesehen, berichtet der Lkw-Fahrer, plötzlich sei während seines Überholvorgangs ein Radler ausgeschert und mit seinem Lkw kollidiert. Zeugen berichten dagegen, der 34-Jährige habe sich auch zuvor aggressiv gegenüber Radfahrern verhalten. Bei einer Gelegenheit habe er einen Radler knapp überholt und der habe ihm den Mittelfinger gezeigt, Daraufhin habe der Lkw-Fahrer angehalten und den Radler geschubst.

"Nicht gerast oder gebrettert"

"Peer", der sich auf helmuts-fahrrad-seiten.de als der Fahrer bezeichnet, der vom Angeklagten unmittelbar vor dem Unfall überholt wurde, schreibt: "Der LKW Fahrer ist nicht gerast oder gebrettert und wollte am Donnerstag Abend nur seine Gemüseladung wegfahren. Man kann nur mutmaßen, aber ein unachtsamer Augenblick beim Überholen und ein kleiner Schlenker und schon ist es passiert. Egal wie das Urteil ausfällt, dieser Mensch wird sein Leben lang mit dieser Schuld leben müssen."
"Das tut mir alles so leid", sagte der Angeklagte Ende Juli zum Prozessauftakt.

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erstellt am 15.Aug.2013 | 12:02 Uhr

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