Nach „Charlie Hebdo“-Anschlag : Unternehmer demonstrieren für Meinungsfreiheit

Trauer um die Opfer aus Paris. In Hamburg haben sich zahlreiche Organisationen zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Zeichen für die Meinungsfreiheit zu setzen.
Trauer um die Opfer aus Paris. In Hamburg haben sich zahlreiche Organisationen zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Zeichen für die Meinungsfreiheit zu setzen.

Der blutige Anschlag von Paris hat dazu geführt, dass sich Migrantenorganisationen in Hamburg des Mottos der Französischen Revolution erinnern. Sie wollen für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit demonstrieren.

shz.de von
12. Januar 2015, 07:13 Uhr

Hamburg | Nach dem Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ruft der Verein Unternehmer ohne Grenzen für Montag, 18 Uhr, zu einer Demonstration in Hamburg auf. Das Motto der Kundgebung ist die Parole der Französischen Revolution „Liberté, Égalité, Fraternité! – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“. Dem Aufruf haben sich zahlreiche Organisationen angeschlossen, darunter die Türkische Gemeinde, der Rat der Islamischen Gemeinden (Schura), der türkisch-islamische Dachverband Ditib sowie der DGB und die Kirchen.

Auf der Kundgebung wollen unter anderem ein Vertreter der alevitischen Gemeinde, der Intendant des Thalia-Theaters, Joachim Lux, und die Hamburger DGB-Chefin Katja Karger sprechen. Auch ein Repräsentant der Französischen Gemeinschaft steht auf der Rednerliste. Die Veranstalter rechnen mit rund 3000 Teilnehmern. Auf der Kundgebung sollen zahlreiche „Charlie Hebdo“-Plakate gezeigt werden. Die Attentäter hatten am vergangenen Dienstag die Redaktion angegriffen und zwölf Menschen getötet. „Dieser Anschlag ist ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit und auf unsere demokratischen Werte“, heißt es in dem Demonstrationsaufruf. „Wir alle sind gefordert, unsere Werte zu verteidigen und uns gegen den Hass und den Terror zu wehren, mit dem uns die Islamisten und Rassisten anstecken wollen.“

Die Islamischen Gemeinden in Hamburg hatten sich am Freitag mit scharfen Worten von dem Terroranschlag distanziert und den Opfern ihr Mitgefühl ausgesprochen. „Wir erklären in aller Deutlichkeit, dass sich niemand bei einem Angriff auf unbewaffnete Zivilisten und Polizisten auf den Islam berufen kann, ganz gleich aus welchem Anlass“, hieß es in einer Mitteilung der Schura. Der Vorsitzende des Rates, Mustafa Yoldas, sagte am Samstag, man dürfe den Extremisten nicht die Deutungshoheit über den Islam lassen. „Wir müssen stärker Position beziehen.“ Extremisten müssten aus islamischen Gemeinden verdrängt, die Erlaubnis zum Predigen müsse ihnen entzogen werden. Besorgt äußerte er sich über die wachsende Islamfeindlichkeit in Deutschland.

Der Geschäftsführer von Unternehmer ohne Grenzen, der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Kazim Abaci, sagte mit Blick auf die Teilnahme von islamischen Organisationen und Kirchen: „Das ist ein Zeichen des interreligiösen Lebens in Hamburg.“ Der Verein zählt 150 Mitgliedsunternehmen, überwiegend türkische, aber auch polnische, russische, afghanische, griechische und deutsche.

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