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S11 in Hamburg : Unbekannte mauern S-Bahn-Tür zu – erst auf der Fahrt entdeckt

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Die S11 ist Opfer von heimlichen Maurern geworden. Wie die Steine in die Tür kamen, wird derzeit ermittelt.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 14:45 Uhr

Hamburg | Ein Racheakt, gar ein politischer? Oder „nur“ ein Dumme-Jungen-Streich, womöglich das Werk übermütiger Maurerlehrlinge? Rüdiger Carstens weiß es nicht. Eines aber weiß der Sprecher der Hamburger Bundespolizei: Einen solchen Fall hatten er und seine Kollegen noch nie zu bearbeiten. Unbekannte haben in einem Waggon der S11 eine Tür komplett mit Ytong-Steinen zugemauert. Tag der geschlossenen Tür im S-Bahnnetz.

Mit der Mauer in der Türöffnung war der Zug am Dienstagnachmittag etwa 45 Minuten im regulären Einsatz unterwegs, von Barmbek bis Blankenese und zurück nach Altona. Dort wiesen Fahrgäste den Triebwagenführer auf den Coup hin. Im Bahnhof Sternschanze wurde der Zug ausgesetzt.

Passagiere staunten nicht schlecht beim Anblick des Ytong-Zuges, einige knipsten das eigenwillige Bauwerk und verbreiteten die Bilder im Internet. Nebst hämischen Kommentaren. Eine „Sylvia“ witzelte: „Bob der Baumeister war's.“

„Das ist kein Spaß“, sagte dagegen eine Sprecherin der S-Bahn Hamburg. Sie bezifferte den Schaden für Reinigung und zwölfstündigen Betriebsausfall des Wagens auf „mehrere zehntausend Euro“. Den Tätern drohen entsprechende Regressforderungen.

Auch strafrechtlich hat die Aktion erhebliche Folgen. Bundespolizei-Sprecher Carstens: „Wir ermitteln wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und wegen der Störung öffentlicher Betriebe.“ Allein auf letzteres stehen Geldstrafe oder Haft bis zu fünf Jahren.

Die heimlichen Maurermeister haben ihr Gesellenstück vermutlich im Laufe des Dienstagvormittags ausgeführt, als der Wagen mehrere Stunden auf der Abstellanlage im Bahnhof Barmbek stand. Carstens: „Videoaufnahmen vom Bahnsteig zeigen, dass die Tür bei der Abfahrt des Waggons um 15.10 Uhr zugemauert war.“

Fest steht ferner, dass geübte Handwerker am Werk waren. Nicht nur sind die Gasbetonsteine mit einem dafür geeigneten Betonkleber verbunden. Auch haben die Unbekannten die Schlusssteine an den Seiten und am oberen Ende der Mauer passend zurechtgeschnitten und eingefügt. Die Täter müssen die Maße der Türöffnung gekannt haben und bestens vorbereitet am Tatort erschienen sein. Zur Abdichtung nutzten sie Bauschaum.

Für die Fahnder ist all das nun wertvolles Beweismaterial. Auch sichten sie weitere Aufnahmen aus Überwachungskameras. Das Motiv der Ytong-Bande ist derweil völlig unklar. Ein Bekennerschreiben möglicher Urheber mit einem politischen Hintergrund lag am Mittwoch zumindest nicht vor.

Hinweise nimmt die Bundespolizeiinspektion Hamburg unter Telefon: (040) 6699505555 entgegen; der Anschluss ist 24 Stunden am Tag besetzt.


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