Hagenbeck : Umstrittener Präparator will tote Affen-Dame

Gunther von Hagens. Foto: dpa
Gunther von Hagens. Foto: dpa

Der umstrittene Leichenpräparator Gunther von Hagens wird mit seinem Werben um den Körper von Orang-Utan-Dame Leila aus Hagenbecks Tierpark erfolglos bleiben. Hagenbeck lehnt ab.

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02. August 2008, 01:56 Uhr

Nach dem tragischen Tod der Orang-Utan-Dame Leila im Hamburger Tierpark Hagenbeck hat der umstrittene Anatom Gunther von Hagens (63) vergeblich Interesse am Körper des Menschenaffen angemeldet. "Wir sind hoch interessiert am Leichnam des armen Affenmädchens. Wir würden gern einmal einen Orang-Utan als Scheibenplastinat ausstellen", sagte der Leichenpräparator der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Freitag). "Es wäre perfekt, wenn wir Leila dafür bekommen könnten." Der Tierpark wies das Ansinnen des Präparators umgehend zurück.

Die am Mittwoch bei einem Sturz in einen Wassergraben ums Leben gekommene Affen-Frau sei von Geburt an Hamburgerin gewesen und deswegen solle sie auch nach ihrem Tod in der Hansestadt bleiben, sagte Chef-Tierpfleger Walter Wolters der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zudem habe sich der Präparator persönlich noch gar nicht gemeldet. Von Hagens Institut für Plastination stellt unter dem Titel "Körperwelten" seit 1996 plastinierte Körper aus. Die Ausstellungen, die in zahlreichen Ländern gezeigt werden, lösten häufig heftige Kontroversen aus, weil auch plastinierte Menschen zu sehen sind.
"Die Orang-Utans nehmen nur das Nötigste an Nahrung zu sich",
In der Affenfamilie und unter den Tierpflegern herrschte unterdessen weiter tiefe Betroffenheit über das Schicksal von Leila. "Die Orang-Utans nehmen nur das Nötigste an Nahrung zu sich", berichtete Chef-Tierpfleger Wolters. Die Tiere seien in einer Trauerphase, die auch auf den Appetit schlage. "Die Orang-Utans gehören nicht umsonst zu den Menschenaffen. Leilas Mutter Mokko hat ihr Kind verloren, die anderen Orang-Utans haben ihre Schwester, ihre Freundin oder ihre zukünftige Frau verloren", sagte Wolters. Auch die Tierparkmitarbeiter nehme der Unfall noch immer mit.

Ein unbekannter Besucher hatte am Mittwoch trotz Verbots versucht, die Orang-Utans zu füttern. Dabei warf er ein Brötchen in den Wassergraben statt in das Gehege. Bei dem Versuch, es aus dem Graben zu holen, fiel Leila ins Wasser und ertrank.

Weil bis Freitagnachmittag keine Hinweise auf den unbekannten Brötchen-Werfer eingingen, wird der Tierpark vermutlich darauf, verzichten, die Polizei einzuschalten. "Eine Anzeige bringt uns Leila auch nicht wieder", sagte Wolters. Leila werde nun an der Universität Hamburg präpariert. Dort wird sie dann entweder wie Walross Antje im Schaumuseum ausgestellt oder sie kommt in die wissenschaftliche Sammlung. Mit den Zoologen der Hamburger Universität gebe es bereits seit Jahrzehnten eine enge Zusammenarbeit, begründete Wolters die Entscheidung.

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