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Altonaer Theater : Umjubelte Premiere vom „Hundertjährigen“

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Absurd, skurril und sehr unterhaltsam: Regisseurin Eva Hosemann hat den Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ auf die Bühne des Altonaer Theaters gebracht.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 08:43 Uhr

Hamburg | Mit der amüsanten und stürmisch umjubelten Inszenierung des Bestsellers „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hat das Altonaer Theater in Hamburg am Sonntag seine Wiedereröffnung gefeiert. Geschickt bringen Regisseurin Eva Hosemann und Drehbuchautor Axel Schneider die Absurditäten der Romanvorlage von Jonas Jonasson auf die Bühne. Dabei setzen sie auf klamaukigen Humor, klischeehafte Figuren und plakative Darstellungen und trafen damit den Ton des Bestellers und den Geschmack des Premierenpublikums. Überzeugend mimt Jörg Schüttauf den Hundertjährigen, der mit seiner naiven Bauernschläue die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts mitschreibt.

Aus dem Off erklingt ein klägliches „Hoch soll er leben“. Doch statt sich von seinen Mitbewohnern im Altenheim und den Honoratioren der Stadt feiern zu lassen, steigt der 100-jährige Allan Karlsson aus dem Fenster - ohne wirkliches Ziel, dafür immer auf der Suche nach einem Schnäpschen. Eine Haltung, die sein ganzes Leben prägt. Mit wenig Geld und zunächst in Pantoffeln gerät er in eine absurde Gaunergeschichte um einen Geldkoffer, die sich zum Roadmovie entwickelt, auf dem so manch Bösewicht auf der Strecke bleibt.

Mit naiver Offenheit und lakonischem Witz spielt der vielen als Frankfurter „Tatort“-Kommissar bekannte Schüttauf diesen Allan, schlurft tatterig, in kleinen Schritten und mit gebeugtem Rücken über die Bühne. Die Schiebermütze umgedreht, die Hosenbeine in die Socken gesteckt und die beige Strickjacke abgelegt verwandelt er sich für die Rückblenden immer wieder vom Greis in einen Jungspund. Als genialer Sprengmeister war der einst über die spanische Revolution und Franco in die USA geraten, dort auf Präsident Truman getroffen, hatte beiläufig die Atombombe mitentwickelt und war mit Spionageauftrag nach China gereist.

Regisseurin Eva Hosemann bedient sich dabei jeglicher Klischees: Der schwedische Botschaftsangehörige trägt Blau-Gelb, eine blonde Pony-Perücke und summt das Pippi-Langstrumpf-Lied. Der Boss der Rocker-Bande „Never Again“ ist etwas dümmlich, dafür herzensgut und der Polizeiinspektor trottelig und den Gesuchten immer einen Schritt hinterher.

Als Kulisse (Stephan Bruckmeier) wählt Hosemann plakative Stellwände mit Aufschriften wie „Scheisshausen“, „Bus“, „Stube“ oder auch „Im Biss“, was mit einem Griff in „Im Urlaub“ umgewandelt wird. Das hat einen gewissen Charme, der sich hier und da allerdings ein wenig abnutzt und die Spannung über 160 Minuten nicht immer halten kann. Am Schluss gab es für dieses unterhaltsame Volksstück dennoch stürmischen Applaus und begeisterte Bravo-Rufe.

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