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Hamburg : Übergriffe auf Reeperbahn - Polizei bildet Sonder-Ermittlungsgruppe

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Bürgermeister Olaf Scholz bezeichnet die Übergriffe als „kriminell, böse und feige“. Die Polizei soll die Taten jetzt in einer Sonder-Ermittlungsgruppe aufklären.

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erstellt am 06.Jan.2016 | 12:26 Uhr

Hamburg | Zur Aufklärung der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht bildet die Hamburger Polizei eine Sonder-Ermittlungsgruppe. Das sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. In der Nacht zum Neujahrstag waren Dutzende junge Frauen auf St. Pauli von Männergruppen umringt, sexuell belästigt und beraubt worden. Die Beschreibungen der Vorfälle ähneln denen aus Köln, wo massive Übergriffe für bundesweites Entsetzen sorgen.

Das volle Ausmaß ist – wie in Köln – auch in Hamburg unbekannt. Die Polizei bittet Zeugen und Betroffene darum, sich zu melden.

Die Täter sollen Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren „mit südländischem oder arabischem Aussehen“ gewesen sein. Bis Dienstagnachmittag hatte die Polizei 27 Taten registriert. Seitdem wurden 26 weitere Fälle angezeigt. Von diesen 53 Fällen sind nach jetzigen Erkenntnissen der Ermittler 39 Fälle sexuelle Belästigung, die anderen 14 angezeigten Taten beinhalten zudem einen Raub oder einen Diebstahl. Die Opfer der Taten sind zwischen 18 und 25 Jahren alt.

Die Art des Vorgehens sei für Hamburg neu, sagte Polizeisprecher Holger Vehren. „Dieses Phänomen so komprimiert haben wir noch nie festgestellt.“ In Einzelfällen seien Menschen von Dieben „angetanzt“ und bestohlen worden. Davon seien aber auch Männer betroffen gewesen. „In diesem Fall sind alle Opfer Frauen, auch das ist besonders“, sagte der Sprecher weiter. Nach Silvesterfeiern in früheren Jahren oder anderen Großereignissen wie dem Alstervergnügen seien keine Übergriffe nach dieser Methode bekannt geworden.

Die erste Anzeige sei eine Stunde nach der Tat auf der Davidwache an der Reeperbahn erstattet worden. Weitere Anzeigen seien seit Montag bei verschiedenen Hamburger Kommissariaten eingegangen. Die Polizei sucht nun Zeugen. In der Tatzeit zwischen 0.30 und 3 Uhr am Neujahrsmorgen hätten die zahlreichen Feiernden auf der Reeperbahn bestimmt viele Fotos gemacht, zeigte sich Vehren optimistisch. Von besonderem Interesse seien Aufnahmen vom Bereich Beatles-Platz am Eingang zur Großen Freiheit.

So reagiert Hamburg auf die Vorfälle

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat die Übergriffe als Schande bezeichnet. „Wer sich in Gruppen zusammenrottet, um sich an Frauen zu vergehen, hat keine Ehre. Er handelt kriminell, böse und feige“, schrieb Scholz am Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite und seiner Homepage. Keine entwickelte Kultur und keine Religion duldeten so ein Verhalten. Die Täter müssten mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden. „Es ist nicht so wichtig, woher sie kommen. Aber es ist wichtig, dass wir wissen, wo sie jetzt sind“, erklärte Scholz.

Die Übergriffe auf Frauen am Silvesterabend auf dem Kiez sind eine Schande. Wer sich in Gruppen zusammenrottet, um sich...

Posted by Olaf Scholz on  Dienstag, 5. Januar 2016

Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank verurteilte die Übergriffe scharf. Sie sei wütend und beschämt, twitterte die Grünen-Politikerin. „Allen Tätern sei gesagt: Eure Mütter würden sich für Euch schämen!“

Die CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert ein hartes Vorgehen gegen die Täter. „Gegenüber solch widerlichen Straftaten darf es keinerlei Toleranz geben, unabhängig davon, wer sie begeht“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Gladiator. Sollte sich bestätigen, dass es sich bei den Tätern um Ausländer handele, müsse das Aufenthaltsrecht verschärft werden. Er sprach sich dafür aus, dass Flüchtlinge bei jeglicher Verurteilung zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe abgeschoben werden können, und nicht erst ab einer Strafe von drei Jahren. Er denke dabei aber nicht an geringfügige Straftaten wie Ladendiebstahl, fügte Gladiator hinzu.

„Die Berichte über Gewalttaten an Frauen in Hamburg und Köln in der Silvesternacht schockieren die Bürgerinnen und Bürger“, erklärte der Landesfrauenrat. Gerade in Zeiten einer großen Zuwanderung nach Deutschland aus anderen Kulturkreisen müsse die Unversehrtheit von Frauen garantiert sein. Der Dachverband von rund 60 Frauenvereinigungen erinnerte daran, das der Staat verpflichtet ist, die Würde des Menschen schützen. „Der Landesfrauenrat Hamburg e.V.fordert den Senat auf, den Artikel 1 unseres Grundgesetzes 100% umzusetzen.“

Andrea Oelschläger von der AfD-Fraktion sagte: „Es ist unerträglich, dass die Sicherheit in Hamburg offenbar nicht mehr gewährleistet ist, wie immer behauptet wird.“

Innensenator Michael Neumann (SPD) warnte dagegen: „Die Ereignisse in Köln und Hamburg dürfen nicht für Fremdenfeindlichkeit missbraucht werden!“ Er fügte hinzu: „Klar ist aber: Wer in Deutschland Zuflucht sucht, muss unsere Gesetze achten.“ Straftäter würden von der Polizei konsequent zur Verantwortung gezogen.

Auch der innenpolitische Sprecher der SPD, Arno Münster, versicherte: „Unsere Polizei reagiert stets konsequent und lageangepasst.“ Die Vorkommnisse müssten ebenso zügig wie sorgfältig aufgeklärt werden.

Der FDP-Innenpolitiker Carl Jarchow forderte den Senat auf, die Polizei und die Justiz zu stärken, um die innere Sicherheit zu gewährleisten. „Rot-Grün darf hier nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und die Problematik herunterspielen.“

Antje Möller von der Grünen-Fraktion rief mögliche weitere Opfer auf, sich bei der Polizei zu melden und Anzeige zu erstatten. Das könne die Identifizierung der Tatverdächtigen erleichtern.

Der Innenausschuss der Bürgerschaft will sich am 14. Januar mit den Vorfällen beschäftigen.

 

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