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Vom Zug erfasst : Trauer um Hamburger Sprayer „OZ“

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Er gilt als Hamburgs berühmtester Sprayer und sorgte für Aufsehen – nun ist „OZ“ tot. shz.de fasst die Reaktionen aus dem Netz zusammen.

Hamburg | Acht Jahre saß er für seine Leidenschaft im Gefängnis. Nun hat er diese Besessenheit sogar mit dem Leben bezahlt. Walter Josef Fischer (64), bundesweit bekannt als Sprayer „OZ“, ist in Hamburg von einer S-Bahn erfasst und getötet worden. Nach Angaben der Polizei war der notorische Graffiti-Sprüher am Donnerstagabend gegen 22.30 Uhr zwischen den Stationen Hauptbahnhof und Berliner Tor mit einem Zug der Linie S1 kollidiert. Der Fahrer habe den Zusammenprall nicht bemerkt, so die Bundespolizei. Erst eine dreiviertel Stunde später sei der Triebwagenführer einer anderen S-Bahn auf den reglosen Körper auf den Gleisen aufmerksam geworden.

Feuerwehrleute und Bundespolizisten rückten an, konnten aber nur den Tod des 64-Jährigen feststellen. „OZ“ hatte schwere Kopf- und Rückenverletzungen erlitten. Allem Anschein nach war der Graffiti-Oldie gerade dabei, seinem Hobby nachzugehen, als die S-Bahn ihn im Dunkeln erfasste. An den Fingern des Mannes haftete schwarze Farbe, neben seinem Körper lag eine Sprühdose. Auf einer Stromschienen-Abdeckung in der Nähe fanden die Beamten zudem ein frisches Graffito in schwarzer Farbe – mit dem „OZ“-Schriftzeichen Fischers.

Damit hat ein erstaunliches Leben ein tragisches Ende gefunden. Fischer hat mehr als 30 Jahre lang seine Tags, Smileys und Kringel auf alle erdenklichen Bauten und Gegenstände im öffentlichen Raum gesprüht, gemalt, aber auch schon mal gekratzt. Ermittler rechnen dem gebürtigen Heidelberger allein in Hamburg mehrere zehntausend Graffiti zu. Er sah darin Kunst, die Behörden Strataten. Dutzende Anzeigen erhielt Fischer wegen Sachbeschädigung, mehrfach wurde er verurteilt. Weil er trotzdem immer weiter sprühte, wurden aus den anfänglichen Geldstrafen bald Freiheitsentziehungen. Insgesamt acht Jahre saß der Unbelehrbare hinter Gitter. Die Sprühdose hat er dennoch nie aus der Hand gegeben. Fahnder rechnen ihm allein in Hamburg mehrere zehntausend Schmiereien zu, der Sachschaden geht in die Hinderttausende.

Warum konnte Josef Walter Fischer partout von seinem ungesetzlichen und kostspieligen Tun nicht lassen? Weder Juristen noch Psychologen haben darauf jemals eine schlüssige Antwort gefunden. Der Hartz-IV-Empfänger galt zwar als psychisch auffällig, aber auch als schuldfähig im juristischen Sinne. Für eine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie langte es nie.

Die Auftritte des schmächtigen Mannes mit der Lippenspalte waren durchweg skurril. Meist verbarg er etwa im Gericht sein Gesicht hinter Schals, Mützen und Schildern. Kaum nachvollziehbar waren die meisten seiner Einlassungen im Gerichtssaal, in denen er sich immer wieder als Opfer von NS-Verfolgung darstellte.

Nebulös blieb Zeit seines Lebens auch die Bedeutung des namensgebenden „OZ“-Tags. Nachdem sich sein Markenzeichen längst etabliert hatte, verblüffte der Urheber das Publikum mit dem Hinweis, er sprühe in Wahrheit ein „Oli“. Bisweilen freilich konnte der unverbesserliche Sprayer-Veteran ganz klar sein. Einem seiner Richter sagte er ins Gesicht: „Ich werde es wieder tun“ - was er nach der nächsten Haftentlassung auch prompt umsetzte.

Die Sprayer-„Karriere“ hatte der ehemalige Gärtnerlehrling in den 1980-er Jahren unter anderem in Flensburg begonnen, wo er zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Dann entdeckte der Heidelberger Hamburg als Betätigungsfeld. Zunächst zum Vergnügen mancher Zeitgenossen, verwandelte der Autodidakt hunderte Verkehrszeichen in fröhliche Smiley-Gesichter. Später erfand F. sein berühmtes „OZ“, das er in der ganzen Stadt hinterließ.

Für jüngere eingefleischte Graffiti-Künstler war der sprühende Oldie ein Vorbild. „Er war für die Hamburger Szene der Großvater“, sagte Martin Gegenheimer (34) vom Berliner Archiv der Jugendkulturen. „OZ“ sei wie ein Maskottchen gewesen. So romantisch sieht die Bundespolizei die Tragödie nicht, zumal Fischer nicht der erste tote Graffiti-Sprayer auf Hamburgs Gleisen ist. Ein Sprecher warnte: „Insbesondere für Graffiti-Täter besteht höchste Lebensgefahr, weil sie sich während ihrer Taten auf ihre Schmierereien konzentrieren und nicht auf den Zugverkehr achten.“

Die Nachricht über den Tod von „OZ" löst in Hamburg Schock und Trauer aus. Immer mehr Menschen melden sich zu Wort. shz.de fasst die Reaktionen zusammen.

Viele Nutzer können den Tod des Sprayers nicht fassen.

Einige Nutzer bei Twitter bedanken sich beim Sprayer „OZ“.

Ein Nutzer bei Twitter stellt klar, was der Verlust von „OZ" für Hamburg bedeutet.

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erstellt am 26.Sep.2014 | 11:14 Uhr

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