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Hamburger Schüler erschossen : Todesschütze aus Montana baute Falle für Einbrecher

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Der in den USA erschossene Hamburger Austauschschüler wurde offenbar Opfer von Selbstjustiz. Ein 29-jähriger Hausbesitzer hatte eine Falle für vermeintliche Einbrecher gestellt – und schoss auf den Jungen, als dieser sie auslöste.

shz.de von
erstellt am 29.04.2014 | 07:00 Uhr

Missoula | Der Todesschütze des 17-jährigen Austauschschülers aus Hamburg ist wegen vorsätzlicher Tötung im US-Staat Montana angeklagt worden. Laut Anklageschrift soll der 29-Jährige nach zwei Einbrüchen in den vergangenen drei Wochen eine Art Falle aufgestellt haben, um Einbrecher zu fassen. Dort erwischte er den Deutschen in der Nacht zum Sonntag und tötete ihn durch mehrere Schüsse.

Das Tor zu seiner Garage stand rund anderthalb Meter weit geöffnet, als der Teenager sich in der Nacht zum Sonntag auf das Grundstück in einer ruhigen Wohngegend von Missoula begab. Die Partnerin des Mannes hatte eine Handtasche mit persönlichen Gegenständen in die Garage gestellt – „damit sie es nehmen“, sagte sie der Polizei. Beide überwachten den Bereich mit Hilfe von Bewegungssensoren, einem Babyfon und einer Live-Videoübertragung aus dem Innenraum der Garage.

„Ich warte nur darauf, einen verdammten Typen zu erschießen“, soll der Angeklagte einer Zeugin zufolge gesagt haben. Drei Nächte in Folge habe er bereits mit seinem Gewehr gewartet, um die Einbrecher zur Strecke zu bringen. Er hatte vier Schüsse in die dunkle Garage abgefeuert, nachdem sein Alarmsystem ihn auf einen Eindringling aufmerksam machte. Der Jugendliche wurde im Kopf und Arm getroffen und starb später im Krankenhaus. Dem 29-Jährigen drohen bei einer Verurteilung mindestens zehn Jahre Haft und als Höchststrafe ein Leben hinter Gittern.

Was der Teenager bei seinem nächtlichen Gang durch die ruhige Wohngegend Grant Creek beabsichtigte, sei völlig unklar, sagte ein Polizeisprecher. Das Haus lag weit entfernt von der Big Sky High School, wo er seit August die elfte Klasse besuchte. Ein zweiter Mann habe ihn begleitet, sei aber geflüchtet, als die Schüsse fielen.

Die Familie des Jugendlichen wurde mit Hilfe des Deutschen Generalkonsulats in San Francisco kontaktiert. Am Dienstag sollte eine Vertreterin des Konsulats in den US-Staat Montana reisen, um die Gastfamilie und die Angehörigen zu unterstützen. „Das ist in dem Fall wohl notwendig“, sagte ein Sprecher, und sprach von besonderen Umständen. Auch der Vater des Jungen werde erwartet, hieß es.

Bürger Montanas dürfen sich wie in rund der Hälfte der 50 US-Staaten notfalls mit Waffengewalt verteidigen. Laut der sogenannten „Castle Doctrine“ (Schloss-Doktrin) ist der Einsatz tödlicher Gewalt gegen Eindringlinge in Haus und Garten in den meisten Fällen erlaubt. In Staaten wie Missouri und Ohio gilt dies sogar für Autos. Allerdings muss sich der Schütze ernsthaft bedroht fühlen.

Auch die US-Austauschorganisation Council on International Educational Exchange (CIEE), über die der 17-Jährige in die USA gekommen war, schickte Vertreter nach Montana. Die Schüler wohnen bei Gastfamilien, reisen in der Regel im Juli oder August an und bleiben für zehn Monate. Nach Angaben seines Hamburger Fußballvereins stand auch der 17-Jährige wenige Wochen vor seiner Rückreise nach Deutschland. Auch er wohnte in den USA bei einer Gastfamilie.

„Es ist eine tragische Situation“, sagte der Vorsitzende des Schuldistrikts, Alex Apostle. Der Schüler habe die elfte Klasse besucht, in der Schulmannschaft Fußball gespielt und Sport geliebt: „Als er gelandet war, fragte er als erstes, wann wir unser Fußballtraining abhalten“, sagte Schulbezirkssprecherin Littman der Lokalzeitung „The Missoulian“.

„Er war begeistert, in den Vereinigten Staaten zu sein“, sagte Littman. „Er war bei Mitschülern und Mitarbeitern ein sehr beliebter Schüler.“ Der 17-Jährige sei türkischer Abstammung gewesen und habe die High School kulturell bereichert. Missoula hat rund 68.000 Einwohner und liegt etwa zwei Autostunden entfernt von Helena, der Hauptstaat des Bundesstaats Montana an der kanadischen Grenze.

Seelsorger standen bereit, um sich um Freunde und Bekannte des Getöteten zu kümmern, wie „The Missoulian“ berichtete. Der Schulunterricht war am Montag wegen eines Weiterbildungs-Angebots ausgefallen. Die Seelsorger sollten dem Bericht zufolge am Dienstag und Mittwoch in die Klassen des 17-Jährigen kommen, um mit Lehrern und Mitschülern zu sprechen.

Der Fußballverein des Jugendlichen, SC Teutonia 1910 in Hamburg-Altona, reagierte mit Betroffenheit auf den Tod seines Spielers. „Wir sind alle ein bisschen sprachlos“, sagte Fußball-Abteilungsleiter Kadir Koc. Der Verein plant für diesen Mittwoch ein Benefizspiel zugunsten der Familie.

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