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Ostermontag mit Wotan Wilke Möhring : „Tatort“ aus Hamburg: Eierei mit Schuss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Frohe Ostern, Falke!“ heißt die neue Folge. Doch ballernde Osterhasen legen alle Ambitionen flach, findet Frank Kober.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2015 | 14:36 Uhr

Hamburg | Eine Geiselnahme? Hatten wir lange nicht. Und war es zuletzt im Hamburger Cenk-Batu-„Tatort“ ein Bürogebäude (2009) und im Hallenser „Polizeiruf“ mit Schmücke und Schneider eine Bank (2007), so ist es heute Abend eine österliche Charity-Gala in Sachen Flüchtlingshilfe, die zum Schauplatz des Spektakels wird. Erneut in Hamburg und mit Kommissarin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) mittenmang.

Denn fünf als Osterhasen verkleidete Chaoten nehmen die dekadente Spenden-Party hopp, um Amnestie für alle Abschiebehäftlinge zu fordern. Eigentlich nur ein rüder Spaß, wie ihn die „Bad Easter Bunnies“ öfter mal aushecken, um ihren Weltverbesserungsträumen Nachdruck zu verleihen. Doch seit der Neue im Team ist, Frank (Thomas Sarbacher), ist Schluss mit lustig. Und ehe sich‘s die vier anderen versehen, knallt Frank eiskalt eine Geisel ab. „Sonst nimmt uns ja nie einer ernst.“

Nur mit Mühe kann Lorenz im losbrechenden Chaos Kontakt zu Kollege Thorsten Falke aufnehmen (Wotan Wilke-Möhring). Ihr Verdacht: Die Geisel wurde nicht zufällig umgelegt. Doch bis Falke mit der Kavallerie anrücken und die wahren Hintergründe des Dramas aufklären kann, gilt für alle Partygäste nur eins: Überleben!

Was für ein Osterspaß! Und das ist wörtlich gemeint. Denn obwohl Autor und Regisseur Thomas Stiller diesen ganzen vertrackten Fall wahrscheinlich todernst meint, kommen wir um ein Dauergrinsen vermutlich nicht herum. Denn so sehr Stiller auch auf heikle Themen pocht, wie die Asylantenfrage, miese Rüstungsgeschäfte oder die teils verlogene Benefizkultur hierzulande – die fünf ballernden Osterhasen legen alle Ambitionen flach. Sind sie doch so albern kostümiert, quasseln sie doch so primitives Revoluzzer-Welsch, dass einfach keine Seriosität aufkommen kann.

Obendrein ist die Story so vorhersehbar, dass uns Möhring und Schmidt-Schaller nur leidtun können. Schade drum. So ist dieser „Tatort“ vielleicht nett anzusehen – am Ostermontag. Aber richtige Eier hat er nicht.

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