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Parteiaustritt in Hamburg : Sylvia Canel: FDP fehlt der Respekt

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Ein halbes Jahr vor den Hamburger Wahlen muss sich die FDP eine neue Führungsspitze suchen. Parteichefin Sylvia Canel hat genug - und teilt ihren Frust auf Facebook.

Hamburg | Einen Tag nach ihrem überraschenden Parteiaustritt hat die bisherige Hamburger FDP-Landesvorsitzende Sylvia Canel scharfe Kritik an Parteichef Christian Lindner geübt. „Ich bin von ihm enttäuscht“, sagte Canel am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe einen „falschen Korpsgeist in der FDP“, mit dem jede Diskussion erstickt werde. „Ich habe das Gefühl, dass man innerhalb der FDP nicht mehr frei sagen kann, was man denkt.“ Es fehle in der Partei an Respekt, sozialer Empathie und Kompetenz, schrieb die 56-Jährige auf ihrer Facebook-Seite.

Lindner wollte sich am Dienstag zunächst nicht äußern, aber in der Bundespartei wurde der Schritt gelassen aufgenommen. „Das ist der Auszug der Enttäuschten“, hieß es in Lindners Umfeld. Der Landesverband habe nun die Chance, sich rechtzeitig vor der Bürgerschaftswahl am 15. Februar 2015 neu aufzustellen. Lindner hofft nach einer Serie von Wahlniederlagen auf eine Trendwende in Hamburg.

Canel hatte am Montagabend mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt vom Landesvorsitz und ihren Parteiaustritt erklärt. Sie will sich einer neuen liberalen Partei anschließen, deren Gründungsparteitag noch Ende September stattfinden könnte. Ob sie mit dieser neuen politischen Organisation um ihren früheren Landesvize Najib Karim in einem halben Jahr bei der Wahl antreten will, ließ sie offen. „Es ist möglich, aber es ist nicht unbedingt nötig.“ 

FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki sieht in der sich anbahnenden Gründung der neuen Partei eine „rein regionale Erscheinung“. „Ich glaube nicht, dass diese Partei stark reüssieren wird“, sagte Kubicki. Er könne weder Canel noch die anderen Akteure als Gefahr für die FDP erkennen. „Mich beschleicht keine Besorgnis.“

Kommissarisch soll Dieter Lohberger, bisher einer von Canels Stellvertretern, die Hamburger FDP führen. Der Landesvorstand berät an diesem Sonntag auf einer Klausurtagung über die Nachfolge. Auf einem Parteitag am 7./8. November soll dann entschieden werden, wer dem seit Jahren zerstrittenen Landesverband künftig vorsteht. Als mögliche neue FDP-Landeschefin wird von vielen Katja Suding gehandelt, die die Liberalen 2011 in die Bürgerschaft geführt hat.

Anfang Juli war sie zur Spitzenkandidatin für die Wahl 2015 gekürt worden. Der Wahl vorausgegangen war ein Streit zwischen ihr und Canel. Suding - in den Augen der Bundes-FDP eine Hoffnungsträgerin - hatte mit dem Rückzug aus der Politik gedroht, sollte Canel ebenfalls auf der Landesliste kandidieren. Erst auf Intervention von Lindner wurde ein Burgfrieden geschlossen. Auf die Frage, ob der Streit ihre Entscheidung beeinflusst habe, sagte Canel: „Nein, eigentlich nicht.“ 

Canel hatte die Hamburger Liberalen als Nachfolgerin von Rolf Salo seit 2012 angeführt. Zwischen 2009 und 2013 saß sie im Bundestag. Dort habe ein „erheblicher Koalitionszwang“ auf den FDP-Abgeordneten gelastet, sagte sie nun der dpa.

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erstellt am 02.Sep.2014 | 14:43 Uhr

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