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Hamburg : Streit um Brandschutz beim A7-Deckel

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Hamburgs Feuerwehr fordert den Einbau automatischer Löschanlagen. Doch weder der Bund noch die Hansestadt wollen das nötige Geld aufbringen.

Hamburg | Wie gefährlich sind die geplanten Tunnel im Zuge des A7-Deckels für Autofahrer? Die Hamburger Feuerwehr fordert den Einbau automatischer Löschanlagen, um bei Bränden im Tunnel Flammen und Rauch so lange klein zu halten, bis Löschzüge vor Ort sind. Doch weder der Bund noch die Stadt Hamburg wollen die nötigen 30 Millionen Euro aufbringen.

Für die Brandbekämpfer ist das ein schwerer Fehler. Feuerwehrsprecher Hendrik Frese: „Wir halten den Tunnel in Stellingen für gefährlicher als den Elbtunnel.“ Denn während der Elbtunnel über eine eigene Feuerwehreinheit verfügt, die bei Bränden in den Röhren sofort mit dem Löschen beginnen kann, wird es eine solche zumindest für die ersten beiden A7-Deckel-Tunnel nicht geben.

Im Zuge der Autobahn-Verbreiterung um je zwei Spuren entstehen auf Hamburger Gebiet insgesamt drei Lärmdeckel: In Schnelsen (500 Meter lang), Stellingen (900 Meter) und Bahrenfeld (zwei Kilometer). Vor allem die Stellinger Lärmhaube – vom Dreieck Nordwest bis zur Auffahrt Stellingen – bereitet den Brandbekämpfern Sorgen.

Dieser überbaute Bereich werde deutlich unfallträchtiger sein als der Elbtunnel, so die Einschätzung der Experten. Unter anderem deshalb, weil im überdeckelten Abschnitt auch eine Auf- und Abfahrt liegt. Und: Während es im Elbtunnel je Röhre lediglich zwei Fahrspuren gibt, sind es im Lärmtunnel Stellingen bis zu fünf, einschließlich der Auffahrten. Angesichts der hohen Lkw-Dichte auf einer der meist befahrenen Autobahnstrecken in Deutschland bestehe die große Gefahr von Fahrzeugbränden nach Karambolagen. Frese erinnert an Tunnelbrand-Katastrophen wie am Mont Blanc. „Bei solchen Vorfällen ist ein schneller Löscheinsatz entscheidend.“

Hamburgs Brandbekämpfer schlagen zumindest für den Stellinger Tunnel den Einbau einer automatischen „Sprühwassernebel-Anlage“ vor. Diese würde im Falle eines Brandes von der Decke feinste Wassertröpfchen regnen lassen, Rauch und Flammen in Schach halten. Kostenpunkt: rund 30 Millionen Euro, zuzüglich 15 Millionen Euro Unterhaltungskosten für 20 Jahre. Bezahlen müsste dies der für die Autobahn zuständige Bund – doch dessen Experten winken ab. Laut EU-Vorschriften sei eine Sprühanlage nicht vorgeschrieben. Wörtlich heißt es im Planfeststellungsbeschluss: „Aufgrund des von Fachgutachtern entwickelten Sicherheitskonzepts weist der Tunnel nur ein geringes Risikoniveau bei Richtungsverkehrsbetrieb und ein durchschnittliches Risikoniveau bei längerem Gegenverkehrsbetrieb auf.“ Das Sicherheitskonzept setzt nicht auf schnelles Löschen, sondern auf schnelle Flucht für eingeschlossene Autofahrer. So sind alle 60 Meter Fluchttüren vorgesehen, statt der vorgeschriebene 300 Meter. Der längste Abstand zu einem Notausgang beträgt damit 30 Meter.

Ebenso unnötig wie eine Löschanlage ist nach Ansicht der Planer der Bau von Feuerwachen an den Tunneleinfahrten. Dort, so lautet der Alternativvorschlag der Feuerwehr, könnten rund um die Uhr Löschfahrzeuge und Personal vorgehalten werden, um die Anfahrtszeiten zu verringern.

Zwar hätte der Senat die Möglichkeit, die Vorschläge der Feuerwehr auf eigene Rechnung umzusetzen. Doch nach längerer Prüfung hat sich die Wirtschaftsbehörde die Sichtweise des Bundes zu eigen gemacht und verweist auf den fehlenden gesetzlichen Zwang von Löschanlage und Feuerwachen. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen“, bedauert eine Sprecherin.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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