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Ladenöffnungszeiten : Sonntags einkaufen: Hamburgs Hanel will mehr

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Seit 2007 können Geschäfte in Hamburg an vier Sonntagen stundenweise öffnen. Der Handelskammer reicht das nicht.

Hamburg | Gut sechs Jahre nach der Freigabe der Ladenöffnungszeiten macht sich die Handelskammer Hamburg für Nachbesserungen stark. Sie fordert, erstmals im Advent einen verkaufsoffenen Sonntag zu erlauben. Bisher gibt es vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr, aber nicht in der Adventszeit.
Durch eine Neuregelung kämen viele zusätzliche Städtetouristen nach Hamburg, wovon neben dem Einzelhandel auch die Hotellerie, die Gastronomie und das Verkehrsgewerbe profitieren würden, sagte Handelskammer-Chef Hans-Jörg Schmidt-Trenz am Donnerstag in Hamburg. Zudem sollten Läden in der noch von Baustellen geprägten Hafencity - begrenzt auf die nächsten zwei Jahre - sonntags öffnen dürfen. In der Hamburger Branche arbeiten rund 70.000 Beschäftigte. Von der Nordkirche und den Gewerkschaften kam Kritik.

Nordkirche will Advent schützen

Der Handelskammer-Chef will die Zahl von vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr zwar beibehalten, jedoch flexibler umgesetzt haben. Jeder Bezirk sollte davon einen Verkaufstag (13-18 Uhr) frei wählen dürfen. "Das sind sehr bescheidene, zurückhaltende Forderungen im Vergleich mit Berlin, das oft als quirliger, lebendiger gesehen wird", sagte Schmidt-Trenz. In Berlin sind zehn verkaufsoffene Sonntage (13-20 Uhr) möglich, zwei davon im Advent.
"Als Nordkirche plädieren wir dafür, an der bewährten Regelung in Hamburg festzuhalten, die bewusst auf einen verkaufsoffenen Sonntag in der Adventszeit verzichtet", sagte ihr stellvertretender Sprecher, Mathias Benckert. "Denn die Adventszeit ist nicht in erster Linie eine Zeit des Einkaufens, sondern Zeit für Familie und Freunde sowie für Besinnung und Einkehr." Die Nordkirche begrüßte es aber, dass die Stadt "umsichtig darauf bedacht ist - gerade vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Tourismus- und Eventwirtschaft - auch einmal Ruhe in die Stadt einkehren zu lassen".

"Verlierer werden Beschäftigte im Handel sein"

Nach der bundesweiten Freigabe der Ladenöffnungszeiten können seit 2007 werktags die Geschäfte in Hamburg theoretisch rund um die Uhr geöffnet werden. Die Praxis sieht anders aus: Innenstadt-Geschäfte sind überwiegend bis 20.00 Uhr geöffnet, in Stadtteilzentren bis 19.00 Uhr, wie die Kammer ermittelte. In Szenequartieren wie dem Schanzen- oder Karoviertel und in St. Georg können Kunden auch später noch einkaufen. Welchen Effekt die Freigabe auf den Branchenumsatz hatte, lässt sich laut Kammer kaum ermitteln, weil auch konjunkturelle, saisonale und strukturelle Einflüsse wirkten. Nominal seien die Umsatzzuwächse unter der Inflationsrate geblieben.
Wie die Kammer plädierte Tourismuschef Dietrich von Albedyll dafür, die Öffnungszeiten im Stadtteil Hafencity am Sonntag freizugeben. Davon würden auch die Kreuzfahrttouristen profitieren. Die Gewerkschaft hielt dagegen: "Verlierer werden die Beschäftigten im Handel sein", sagte Fachbereichsleiter Arno Peukes. Für ihn ist es illusorisch, dass der Tourismus weiter angekurbelt wird. "Vielmehr geht es doch darum, sich gegenseitig die Umsätze abzugraben", warnte er. Um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern, spricht sich die Kammer für eine nur befristete Sonderregelung für das junge Viertel aus.
Zur Belebung der Stadtteile an den Shopping-Sonntagen sollten laut Kammer auch Wochenmärkte dazu erlaubt werden. Kleine Kioske, die mancherorts schon sonntags geöffnet sind, müssten endlich legal verkaufen dürfen, fordert sie. Dagegen mahnte der Kirchenvertreter: "Der Sonntag ist als Tag der Entschleunigung, der Besinnung und als Freiraum für gemeinsam genutzte Zeit von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Und er schützt auch Inhaber kleinerer Läden, die somit nicht unter dem Druck einer ständigen Ladenöffnung stehen." Es sei gut und richtig, dass der Sonntagsschutz im Grundgesetz verankert ist. Die Hamburger Politik ist nun am Zug, sich mit den Kammer-Vorschlägen zu befassen.

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erstellt am 09.Aug.2013 | 04:52 Uhr

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