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Prozess in Hamburg : Sohn gesteht Todesstiche auf Mutter

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Es ist eine düstere Welt, die der Angeklagte vor Gericht schildert. Seine Mutter macht er dafür verantwortlich. Mit 18 Messerstichen tötet er die Frau.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2013 | 04:04 Uhr

Hamburg | Ein 30-Jähriger hat vor dem Hamburger Landgericht gestanden, seine Mutter mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben. "Aus heutiger Sicht empfinde ich die Tat als furchtbar", sagte der Angeklagte am Freitag. Er wünsche sich, alles ungeschehen machen zu können. Der Mann muss sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten.
In seiner vorbereiteten Erklärung schilderte er seine schwere Depression und seinen Selbsthass. Am Tattag Mitte Februar habe er sich wegen seiner "hoffnungslos gescheiterten Existenz" umbringen wollen und einen mehrseitigen Abschiedsbrief geschrieben. Er habe seiner Mutter den Brief gezeigt, aus dem Wunsch heraus: "Hoffentlich realisiert sie endlich, wie kaputt ich bin." Statt ihn in den Arm zu nehmen, habe sie aber "kalt, boshaft und empathiefrei" reagiert. Die 51-Jährige habe gesagt, sie bezweifle stark, dass "ein Versager wie du" es schafft, sich selbst zu töten.

"Blitzableiter für alle Launen und Alkoholausbrüche"

Da habe es bei ihm "Klick" gemacht - und er habe mit dem Taschenmesser, das er immer bei sich trug, zugestochen. An die blutige Attacke könne er sich aber nur "ausschnitthaft" erinnern: "Ich kam mir wie entrückt und ferngesteuert vor." Nach der Tat alarmierte der 30-Jährige den Notruf. Ein Mitschnitt wurde im Gerichtssaal vorgespielt. "Ich hab gerade meine Mutter umgebracht", sagte der völlig aufgelöste Mann damals der Polizei.
Der Angeklagte fühlte sich nach eigener Darstellung als "Blitzableiter für alle Launen und Alkoholausbrüche" seiner Mutter: "Sie hat mich regelmäßig als psychischen Fußabstreifer missbraucht." Am Nachmittag sollte der Prozess fortgesetzt werden.

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