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16. Dezember 2017 | 08:44 Uhr

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Ein Jahr nach der Landtagswahl: Die Fraktionschefs von FDP und SPD ziehen in der Talkshow unserer Zeitung Bilanz

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Flensburg | Nach genau sieben Minuten muss es das erste Mal raus: "Herr Kubicki ist ein Häuptling vom Stamm der Besserwisser", sagt Ralf Stegner und versucht ein linkisches Grinsen. "Herr Stegner, entweder wissen Sie es nicht besser oder sie erklären es falsch", sagt sein Kontrahent Wolfgang Kubicki. Das ist unterhaltsamer Polit-Talk. Und die rund 100 Zuschauer quittieren die Scharmützel mit launigem Applaus.

Es ist Show-Time in Flensburg. Gestern Abend sind der SPD-Fraktionschef im Landtag, Ralf Stegner, und sein FDP-Kollege, der heimliche Oppositionsführer Wolfgang Kubicki, bei der Diskussionsveranstaltung "Talk am Tor" unserer Zeitung im Science Center Phänomenta aufeinander getroffen. Bilanz sollen sie ziehen - ein Jahr nach der Landtagswahl und dem Regierungswechsel in Kiel. Und die fällt bei der von Michael Grahl, Geschäftsführer von Sat 1-Regional, und dem Chefredakteur unserer Zeitung, Helge Matthiesen, moderierten Talkrunde durchaus unterschiedlich aus. "Ich glaube, dass die Regierung Schleswig-Holstein auf einen falschen Weg bringt", sagt Kubicki. Stegner meint hingegen: "Wir sind auf einem guten Kurs."

Am Ende geht das Duell unentschieden aus. Jeder der beiden Kontrahenten landet Punkttreffer, Schläge unter die Gürtellinie unterbleiben, ironische Angriffe gibt es dafür um so mehr. Etwa wenn Stegner sagt: "Wir haben auch schon zusammen Wein getrunken. Und Kubicki entgegnet: "Das schadet meiner Karriere."

Die rund 100 Zuschauer sind begeistert. Immer wieder bedenken sie die Talkshow-Profis mit Applaus, etwa wenn Stegner sagt: "Herr Kubicki, Ihre Vorstellungen von Marktwirtschaft ist es, gegen Mindestlöhne zu sein und dass der Staat statt dessen Dumpinglöhne subventioniert." Oder wenn Kubicki erklärt, dass die Regierung die Tarifabschlüsse für die Angestellten locker auch auf die Beamten übertragen könne, weil sie für die Kredite, die das Land aufgenommen hat, weniger Zinsen zahlen muss als ursprünglich veranschlagt.

Stegner und Kubicki. Das sind die beiden Politiker, die am häufigsten im vergangenen Jahr im Landtag die Klingen gekreuzt haben. Der eine, Gastwirtssohn aus der Pfalz, der immer wieder erzählt, dass er länger in der Gewerkschaft als in der SPD Mitglied ist. Der in Havard studiert, promoviert und in Partei und Regierung Karriere gemacht hat - und doch weder von vielen eigenen Genossen noch von der Mehrheit des Parteivolks wegen seines Hanges zur sozialen Inkompetenz geliebt wird.

Auf der anderen Seite Wolfgang Kubicki, der immer wieder erzählt, dass er weder wirtschaftlich noch inhaltlich auf die Politik angewiesen ist. Der eloquente Staranwalt und FDP-Rebell, der sich dauernd mit der eigenen Parteiführung in Berlin anlegt und im Herbst in den Bundestag einziehen will. Die beiden politischen Alphatiere zeichnen sich durch ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eine geschliffene Rhetorik aus. Und das zeigen die beiden Vollblutpolitiker den ganzen Abend.

Und wie bewerten sie die Zukunftschancen des Landes? Immer wieder geht es um die prekäre Haushaltslage Schleswig-Holsteins. Stegner verweist darauf, dass die Regierung nach einem Jahr die Kürzungen der CDU/FDP-Koalition zurückgenommen habe, Kubicki fordert die Menschen in der Phänomenta und in ganz Schleswig-Holstein auf, langfristig zu denken: "Warten wir mal auf den nächsten Haushalt 2014. Die Regierung hat den Puffer, den die schwarz-gelbe Regierung durch Einsparungen aufgebaut hatte, verbraucht."

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