HSV in Flensburg : Slomka setzt auf Teamgeist und Fitness

Der Hamburger Trainer Mirko Slomka (vorn) und HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (hinten) im Redaktionsgespräch, das der stellvertretende Chefredakteur Jürgen Muhl (M.) moderierte.
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Der Hamburger Trainer Mirko Slomka (vorn) und HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (hinten) im Redaktionsgespräch, das der stellvertretende Chefredakteur Jürgen Muhl (M.) moderierte.

Aus der vergangenen Saison schöpft Mirko Slomka Positives: Der HSV-Trainer glaubt an eine Saison ohne Abstiegsangst. Und an den Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft.

shz.de von
28. Juni 2014, 10:31 Uhr

Flensburg | Die ersten fünf Tage an der Ostsee haben Mirko Slomka gut getan. Der Trainer des Hamburger SV lässt sich von allen Sorgen und Unsicherheiten, die noch über der Saisonvorbereitung des Fußball-Bundesligisten kreisen, in Tatendrang und Zuversicht nicht erschüttern. Das wurde im Redaktionsgepräch, zu dem der 46-Jährige gestern ins sh:z-Medienhaus kam, deutlich. Ein erneutes Bangen um den Klassenerhalt will Slomka sich und den HSV-Fans in der kommenden Serie ersparen: „Wir wollen so schnell wie möglich die Abstiegsplätze hinter uns lassen“, sagte der Coach. Gelingen soll das mit verbesserter Fitness, mehr Teamgeist und auch Lehren aus der Spielweise der deutschen Nationalmannschaft, der Slomka den WM-Titelgewinn in Brasilien zutraut. Heute um 16 Uhr ist im zweiten Testspiel im Rahmen des Trainingslagers an der Förde beim Regionalligisten ETSV Weiche zu besichtigen, wie weit der HSV schon gekommen ist.

Den Wirbel um seine Person, zuletzt befeuert durch die Kritik des HSV-Gönners Klaus-Michael Kühne, hat Slomka hinter sich gelassen. „Das belastet mich nicht. Es motiviert mich, wenn ich kritisch beäugt werde. Wenn man die vergangene Saison Revue passieren lässt, muss man Kritik auch annehmen “, sagte der Trainer.

Aus dem Abstiegskampf, der in der dramatischen Relegation gegen Greuther Fürth gipfelte, schöpft er Positives. Slomka und seine Spieler sammelten wertvolle Erfahrungen. „Wir haben Spieler gesehen, die wir vorher so nicht kannten. Wir haben sie kämpferisch und leidenschaftlich erlebt, aber auch verunsichert und ängstlich“, berichtete der HSV-Trainer, der einen Wandel in der Einstellung seiner Akteure registriert: „Ich glaube, dass sie voller Respekt in diese Trainingswochen gehen, ihren Job etwas demütiger sehen. Es schweißt zusammen, wenn man so eine Situation gemeinsam erleben musste. Ich habe es in Hannover erlebt, als wir uns mit einem Sieg in Bochum am letzten Spieltag gerettet haben. Die Saison danach war komplett anders – mit einem geschlosseneren Auftreten.“

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Dem Zusammenwirken im Team misst Slomka höchste Bedeutung bei. Er belegte dies mit Beobachtungen bei den WM-Spielen. „Wir erleben bei dieser Fußball-WM, dass es immer weniger um die Alphatiere geht wie es früher Stefan Effenberg, Lothar Matthäus oder Oliver Kahn waren oder auch so ganz besondere Spieler wie Zidane und Platini. Messi ist noch als ein ganz Besonderer übrig geblieben. Ansonsten geht es darum, dass das Team zusammenarbeiten muss. Alle müssen alles machen“, stellte Slomka fest. Der moderne Fußball sei extrem komplex und schnell geworden: „Diese Komplexität müssen wir im Team bearbeiten und nicht mit Einzelkönnern. Kurz: weg von Alphatieren hin zu einer Art Schwarmintelligenz.“

Bei der deutschen Nationalmannschaft sei gut zu erkennen, wie die Spieler gemeinsam neue Lösungen finden, um eine Situation für sich zu entscheiden. „Alle arbeiten perfekt zusammen – defensiv wie offensiv. So eine Mannschaft kann den Titel erreichen“, glaubt Mirko Slomka. Auch Chile hat den Fußballlehrer beeindruckt: „Wahnsinnig dynamisch, extrem zweikampfstark, überall in Ballnähe, um mit zwei Spielern sofort zu attackieren. Es geht sehr viel über Kraft und Fitness.“

Dazu gehört natürlich auch das entsprechende Personal. Hier bestehen für Slomka noch etliche Sorgen. „Momentan sind wir nicht so stark besetzt, wie wir uns das wünschen“, sagte der Trainer mit Blick auf die ungeklärten Personalien Pierre-Michel Lasogga, um den mit Hertha BSC gerungen wird, und Hakan Calhanoglu, der nach Leverkusen wechseln will. Auch die Mittelfeldspieler Tomás Rincón und Robert Tesche, deren Verträge der HSV nicht verlängerte, würden fehlen. Sportchef Oliver Kreuzer, der ebenfalls am Redaktionsgespräch teilnahm, berichtete von einem ernüchternden Treffen in dieser Woche mit Hertha BSC in Sachen Lasogga: „Die Vorstellungen liegen weit auseinander. Momentan herrscht Stillstand.“ Bei Calhanoglu, der bis zum 15. Juli krankgeschrieben ist, bleibt Kreuzer noch entspannt. „Er ist Vertragsspieler und wir erwarten ihn nach seiner Gesundung wieder in Hamburg.“

Es gebe aber auch gute Nachrichten aus dem Kader. Spielmacher Rafael van der Vaart ist wieder gesund und wird schon heute in Weiche spielen. Gojko Kacar ist von seinem Gastspiel aus Japan hochmotiviert zurückgekehrt. Slomka erlebt den Mittelfeldspieler wie befreit. „Gojko hat den Siegeswillen, den wir brauchen, das bestätigt er in jeder Trainingseinheit. Er ist ein Spieler, der uns helfen wird“, erklärte der Fußballlehrer.

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