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Schiffbau in Hamburg : Sietas-Werft übergibt erstes deutsches Windkraft-Schiff

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Eine Woche nach ihrer Rettung durch einen russischen Investor liefert die Sietas-Werft ein besonderes Schiff ab. Die Hoffnung auf Folgeaufträge ist groß.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2014 | 07:51 Uhr

Das erste Bauschiff für Offshore-Windkraftwerke hat am Montag die Hamburger Sietas Werft verlassen. Nach der Passage des Este-Sperrwerks fährt die „Aeolus“ - benannt nach dem Gott der Winde in der griechischen Mythologie - zunächst nach Bremerhaven. Sie wurde für das niederländische Wasserbauunternehmen van Oord gebaut. Im Juli wird das Schiff beim Bau des Eneco Luchterduinen Windparks vor der niederländischen Küste seinen ersten Einsatz haben.

„Erstmals hat eine deutsche Werft ein solches Spezialschiff entwickelt und gebaut“, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. „Das ist der Beweis für die Leistungsfähigkeit und das international wettbewerbsfähige Knowhow der Sietas Werft.“ 

Die „Aeolus“ ist 140 Meter lang und 38 Meter breit. Sie kann 5600 Tonnen transportieren und in Wassertiefen von bis zu 45 Metern sicher arbeiten. Auf vier 84 Meter hohen Stelzen, die jeweils 1000 Tonnen wiegen, kann das Schiff hoch über der Meeresoberfläche arbeiten. Sie sind noch nicht montiert; das muss außerhalb des Hamburger Hafens geschehen. Ein Spezialkran auf dem Schiff kann bis zu 900 Tonnen Last tragen und in Höhen bis zu 120 Metern arbeiten.

Die Baukosten für das Schiff sind nicht genau bekannt; sie sollen aber weit über den zu Beginn veranschlagten 120 Millionen Euro liegen. Die Sietas Werft hat das Schiff ohne staatliche Finanzhilfen und Kredite gebaut; bezahlt hat van Oord. Damit konnte die Werft ihre jahrelange Insolvenzphase durchstehen und einen Investor finden. Ob jedoch ein zweites Schiff dieser Art gebaut wird, ist offen.

Eine Woche vor der Auslieferung der „Aeolus“ hatte die russische Werft Pella Shipyard aus der Nähe von St. Petersburg die Sietas Werft übernommen. Die älteste deutsche Werft, deren Wurzeln bis ins 17.

Jahrhundert zurückreichen, heißt künftig Pella Sietas GmbH. Die Russen wollen 120 Mitarbeiter übernehmen, die Zahl der Beschäftigen binnen zwei Jahren auf 400 steigern und mindestens 15 Millionen Euro investieren. Sie haben sich verpflichtet, die Werft mindestens acht Jahre als Schiffbaubetrieb weiterzuführen.

Sietas hatte viele Jahre lang erfolgreich Containerschiffe gebaut und dann den Übergang auf den Spezialschiffbau fast verpasst. Auf der Werft sollen künftig Schiffe mit hohem Ausrüstungsgrad entstehen, so wie Schlepper, Eisbrecher und Versorgungsschiffe.

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