Siebenjährige von Schulhof entführt und missbraucht – Prozess

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08. Januar 2015, 13:57 Uhr

Der Angeklagte windet und windet sich. Die Entführung und Vergewaltigung einer Siebenjährigen hat Pascal N. vor dem Hamburger Landgericht schon gestanden. Doch Einzelheiten des sexuellen Missbrauchs mag er zu Prozessbeginn vor der Großen Strafkammer partout nicht nennen. „Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand“, versucht es der Vorsitzende Richter Ulrich Weißmann. „Wenn Sie den Schaden für das Opfer nicht noch schlimmer machen wollen, sorgen Sie dafür, dass das Kind hier nicht aussagen muss.“ Doch auch nach einer Besprechung mit seinem Verteidiger kann sich der 21-Jährige nicht durchringen, die Details des Übergriffs zu schildern.

Schon die Verlesung der Anklage sorgte zuvor im Saal für Fassungslosigkeit. Laut Staatsanwaltschaft hatte N. im vorigen Sommer an einem Nachmittag die Erstklässlerin einfach über den Zaun der Grundschule im Stadtteil Niendorf gehievt und sie in ein nahes Waldstück geschleppt. Dort, so die Ankläger, warf der stämmige Mann sein Opfer zu Boden, hockte sich mit geöffneter Hose über das Mädchen und forderte es zu sexuellen Handlungen auf – so trägt es der Staatsanwalt vor.


Hausmeister verhinderte das Allerschlimmste


Als die Schülerin sich weigerte und um Hilfe schrie, habe der Täter ihr mit dem Tod gedroht und so heftig in den Genitalbereich gegriffen, dass die Siebenjährige dabei verletzt wurde. Nur weil der Schulhausmeister den Angreifer per Fußtritt von dem wehrlosen Mädchen beförderte, passierte nicht noch Schlimmeres.

Der Verteidiger verliest ein kurzes schriftliches Geständnis des Schulabbrechers. „Die Vorwürfe treffen zu“ – außer der Todesdrohung. Er verabscheue die Tat und könne sie sich bis heute nicht erklären, so der völlig unsicher wirkende Angeklagte. „Ich entschuldige mich bei dem Mädchen, ihrer Familie und meiner Familie.“ Vor der Vergewaltigung habe er 24 Stunden am Stück Bier und Wodka getrunken, dazu Marihuana geraucht und zwei Ecstasy-Tabletten genommen, lässt N. erklären. Die Polizei stellte nach der Festnahme einen Alkoholpegel von 2,6 Promille fest.

Das Geständnis enthält aber auch den Satz: „Die Tat ist mir nicht wesensfremd.“ Was das denn heiße, will der Richter wissen. Kopfschütteln und Schulterzucken. „Haben Sie so etwas schon einmal gemacht?“ „Nein.“ „Haben Sie sexuelles Interesse an Kindern?“ „Nein.“ Zu mehr lässt sich der Angeklagte nicht bewegen.


Verteidiger ratlos, Richter der Resignation nahe


Selbst sein Anwalt ist ratlos. „Ich habe versucht, mit ihm zu arbeiten, aber ich kann nicht in ihn hineinsehen.“ Richter Weißmann, der Resignation nahe: „Da haben die Therapeuten aber was zu tun.“

Sieht das Gericht die Anklagevorwürfe der Geiselnahme und des sexuellen Missbrauchs von Kindern als erwiesen an, drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft. Für den Prozess sind Termine bis Ende Januar anberaumt.

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