Urteil in Hamburg : Siebenjährige missbraucht - Fünf Jahre Haft

„Die Tat ist mir nicht wesensfremd“, gesteht der Angeklagte vor Gericht. Er zerrte ein Mädchen vom Schulhof in den Wald. Das Urteil in Hamburg lautet am Dienstag: Fünf Jahre Haft.

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20. Januar 2015, 13:30 Uhr

Hamburg | Für den schweren sexuellen Missbrauch einer 7-Jährigen ist ein 22 Jahre alter Mann am Montag vor dem Hamburger Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Jugendschutzkammer sah es als erwiesen an, dass der Mann das Mädchen im vergangenen Juli vom Schulhof entführt und es danach in einem Waldstück schwer sexuell missbraucht hatte.

Damit blieb die Kammer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Haft für angemessen gehalten hatte. Die Kammer ging in ihrem Urteil von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit des Angeklagten aus, da bei ihm eine „verdeckte Pädophilie“ vorliege und er zum Zeitpunkt der Tat unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

„Sie haben das Kind einfach so aus seiner geschützten Umgebung gerissen und missbraucht“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. „Sie sind einer derjenigen, vor dem alle Eltern ihre Kinder warnen.“ Außerdem habe er das Kind in Todesangst versetzt. „Gott sei Dank hat der Hausmeister geistesgegenwärtig reagiert“, sagte der Richter. Der Angestellte war in den Wald gelaufen und hatte den damals 21-Jährigen getreten. Der Täter war geflüchtet und später in seiner Wohnung festgenommen worden. Als er vier Stunden später gefasst wurde, hatte er noch 2,6 Promille Alkohol und Drogen im Blut.

Vor dem Angeklagten lege ein weiter Weg der Therapie, sagte der Vorsitzende Richter. „Wir können begründete Hoffnung haben, dass bei entsprechenden therapeutischen Maßnahmen so etwas nicht wieder passiert.“ Er legte dem 22-Jährigen nahe, diese Chance zu nutzen.

Der Beschuldigte hatte im Prozess gestanden, eine siebenjährige Schülerin verschleppt und sexuell missbraucht zu haben. Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte das Geständnis verlesen, in dem es heißt, „die Tat ist mir nicht wesensfremd“.

Welches Wesen er ist, blieb dennoch unklar. Der junge Mann, Bauchansatz und gegeltes Haar, erklärte, den Übergriff nicht geplant zu haben. Auf die Tat angesprochen, druckste der Mann immer wieder einsilbig herum. Selbst für seinen Verteidiger blieb er ein Rätsel. „Ich bin ratlos. Ich habe versucht, mit ihm zu arbeiten, aber ich kann nicht in ihn hineinsehen.“

Nachdem der Vorsitzende Richter den angeklagten Hamburger auch mehrmals erfolglos zu dessen sexuellen Neigungen befragt und ebenfalls nur knappe, widersprüchliche Antworten erhalten hatte, sagte er: „Das ist eher was für Psychologen als für Juristen.“

Ein Sachverständiger hatte dem Angeklagten daraufhin bescheinigt, auch künftig gefährlich sein zu können, solange er sich wegen einer möglicherweise bestehenden Pädophilie nicht therapieren lasse. Der Verteidiger betonte in seinem Plädoyer die Therapiebereitschaft seines Mandanten und sah von einer konkreten Strafforderung ab. „Der Schwerpunkt muss hier auf eine Sozialtherapie gelegt werden“, sagte er. Das sah auch das Gericht so.

So unklar die Hintergründe, so genau fügte sich, was der Mann dem Mädchen angetan haben soll. Der Angeklagte, der aussagte, als Kind selbst die Grundschule in Hamburg-Niendorf besucht zu haben, sei über einen Zaun auf den Schulhof geklettert, habe sich vorgestellt und die anderen anwesenden Kinder weggeschickt, berichtete das siebenjährige Opfer, dessen auf Video festgehaltene Aussage abgespielt wurde. Anschließend habe der Täter sie über einen Zaun geworfen und in ein kleines Waldstück gezerrt, in dem er sie schließlich missbrauchte.

Das Mädchen leidet noch heute sehr unter der Tat und wird therapeutisch betreut. In seinem letzten Wort wandte sich der 22-jährige Verurteilte an die Mutter des Opfers. Er hoffe, dass das Geschehene die Familie „so wenig wie möglich für die Zukunft belastet“, sagte er.

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