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Urteil : Seniorin mit Bürostuhl erschlagen – zehn Jahre Haft

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Er sah sie als Teil einer Verschwörung – darum erschlug ein 53-Jähriger eine Bekannte mit einem Bürostuhl. Bevor der psychisch kranke Mann seine Haft absitzen muss, kommt er zunächst in eine Psychiatrie.

Hamburg | Ein 53-jähriger Mann muss für eine tödliche Attacke auf eine Bekannte für zehn Jahre ins Gefängnis. Das entschied das Hamburger Landgericht am Montag. „Das Warum ist bei dieser Tat völlig unklar geblieben“, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Der psychisch kranke Mann hatte die 69-jährige Frau im März dieses Jahres mit einem Bürodrehstuhl erschlagen. Er glaubte, sie sei Teil einer Verschwörung gegen ihn. Sein Opfer sei arg- und wehrlos gewesen, stellte die Kammer fest. Das Gericht ordnete an, dass der Mann zuerst in einer Psychiatrie behandelt wird, bevor er seine Strafe verbüßt.

Der Deutsche mit äthiopischen Wurzeln hatte seit Jahren Angst vor einer „Abschiebung“, wie er zu Verhandlungsbeginn sagte. Die Seniorin habe ihm immer wieder eingeredet, dass „Intellektuelle“ ihn illegal außer Landes schaffen wollten. Als die Frau ihn im März in seiner Wohnung erneut unter Druck gesetzt habe, sei er durchgedreht und habe sie mehrfach mit dem Stuhl geschlagen. Auslöser für den Angriff war ein Telefonat mit dem Bruder des Opfers, der für den 53-Jährigen auch Teil der Verschwörung ist.

Die Reaktion des Mannes sei nur mit wahnhaften Störungen zu erklären, sagte die Vorsitzende Richterin. Weil diese nach Angaben eines Gutachters die Steuerungsfähigkeit beeinträchtigten, seien sie strafmildernd zu bewerten. Strafschärfend sei allerdings die erhebliche Brutalität der Tat und das Verhalten danach. Als der Bruder der Toten sie aus Sorge anrief, ging der Verurteilte ans Telefon und sagte, die Seniorin habe getrunken und würde ihren Rausch ausschlafen.

Die Anwältin der Nebenklage, die die drei Kinder der Getöteten vertritt, sagte zuvor in ihrem Plädoyer, wie enttäuscht ihre Mandanten seien. „Die Kinder wollen vor allem wissen, warum ihre Mutter sterben musste“, sagte die Anwältin. Darauf hätten sie keine Antwort erhalten. Die Verteidigerin des 53-Jährigen argumentierte, der Mann sei nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags zu verurteilen. Die Tat sei nicht heimtückisch verübt worden, weil ihr Mandant die Seniorin vor dem Angriff bereits angeschrien habe. „Es ist ein ruhiger, netter Mensch, der viel in sich hineingefressen hat“, beschrieb sie den einfachen Mann. „Er ist kein eiskalter Killer, sondern war einsam und seinen Angehörigen lästig.“ Sie forderte eine achtjährige Gefängnisstrafe.

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erstellt am 28.10.2013 | 15:45 Uhr

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