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Absage für Ten Walls : Schwulenfeindlicher Facebook-Post: Hamburger Dockville lädt Musiker aus

vom

Ein Musiker aus Litauen hetzt in einem Facebook-Eintrag gegen Schwule. Was folgt, ist eine Welle von Ausladungen. Auch aus Hamburg.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 12:34 Uhr

Hamburg | Shitstorm für den Musiker Marijus Adomaitis, der als Ten Walls in der Deep House Szene unterwegs ist: Mit homophoben Äußerungen auf Facebook hat sich der Litauer bei Festivals und Fans unmöglich gemacht. Auch das Dockville in Hamburg streicht ihn von der Liste.  „Jede Form von Diskriminierung widerspricht unseren Idealen eines weltoffenen Festivals, das nur durch das Zusammenwirken aller Beteiligten zu einem respektvollen Ort werden kann“, heißt es in einer Begründung auf Facebook.

Liebe Freunde, keine Homophobie auf dem MS DOCKVILLE!Aufgrund der aktuellen Kommentare auf Ten Walls' Facebook Seite...

Posted by MS Dockville on Montag, 8. Juni 2015

Bis zum Festival (21. bis 23. August) werde nach einem Ersatz für Ten Walls gesucht.

Der Musiker selbst hat seinen Facebook Post mittlerweile gelöscht. Er bereue seine Äußerung, schreibt er jetzt auf seiner Seite. Er selbst brauche nun eine Pause und habe seine kommenden Shows abgesagt. Sein Post sei schlecht geschrieben gewesen und unakzeptabel. „Es war nie meine Absicht, jemanden zu beleidigen. Ich bin traurig über alles, was passiert ist und möchte mich bei allen, die ich enttäuscht habe, entschuldigen, besonders bei meinen Freunden in der homosexuellen Community und meinen Fans.“

Last week I wrote a Facebook post that was wrong and completely out of character and the result was a badly written post...

Posted by Ten Walls on Montag, 8. Juni 2015

Doch was hat der Musiker so Schlimmes geschrieben? Der Original-Post ist nicht mehr auffindbar. Allerdings dokumentierten factmag.com und gaystarnews.com den Inhalt. In dem Post erinnerte sich Ten Walls demnach an einen Musiker, der versucht habe, ihm eine „Gehirnwäsche“ zu verpassen, dass er gegenüber Homosexuellen nicht so „konservativ und intolerant“ sein sollte. Seine Reaktion daraufhin war offenbar eine Verbal-Entgleisung zum Thema Verletzungen beim Analsex zwischen Jugendlichen. Außerdem hat er laut der Berichte Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt und an die 90er erinnert, als „diese Leute einer andersartigen Brut wiederhergestellt wurden“.

Die Fans des Dockville begrüßen die Entscheidung, den homophoben Musiker auszuladen. „Richtig so! Hinfort mit ihm. Liebe ist für alle da“, schreibt eine Frau. Ein weiterer Musikfan schreibt: „Starke Aktion! Kein Platz für Homophobie. Und als Ersatz dann bitte Dixon.“

Auf der Facebook-Seite erhält Ten Walls von einigen Fans Unterstützung, die sich offenbar an Schwulen-Paraden stören. Doch andere nutzen die Plattform, um dem Musiker die Meinung zu sagen. Ihm wird unter anderem vorgeschlagen, in Russland aufzutreten, da Putin sich nicht um die Rechte Homosexueller schere. Ein anderer stellt klar: „Du hast deine Shows nicht selbst abgesagt, deine Shows wurden abgesagt. Und das ist eine gute Sache, du respektloser Idiot. Sag Goodbye zu deiner Karriere.“

In der Tat hat der Facebook-Post für mehrere Ausladungen bei Dance-Festivals in ganz Europa gesorgt, unter anderem beim Tomorrowland in Belgien, Sonar in Barcelona, Creamfields in Liverpool, Pitch in Amsterdam oder das Wiener Urban Art.

Auch seine Booking-Agentur kündigte ihm.

Ein Musiker kündigte seine Zusammenarbeit mit Ten Walls bei seinem Londoner Konzert auf.

hello. I was due to support Ten Walls at Koko, London in November, in light of recent comments made by him on Facebook...

Posted by Fort Romeau on Montag, 8. Juni 2015

Und andere Musiker zerstören Platten von Ten Walls.

In den sozialen Medien sprechen viele davon, dass Ten Walls seine Karriere mit seiner Äußerung zerstört habe.

Doch nicht nur Homophobie bekommt Gegenwind von Festivals und Fans. Umstritten sind auch Bands, denen ein Hang zum nationalistischen Gedankengut nachgesagt wird. So stößt das Baltic Open Air (28. bis 29. August) in Schleswig auf Kritik, weil es die italienische Band Freiwild als Headliner engagierte. Die Südtiroler ecken immer wieder an und ihnen wird Rechtspopulismus nachgesagt. Vom rechten Gedankengut distanzierte die Band sich, doch die Vergangenheit als Mitglied der Rechtsrock-Band Kaiserjäger verzeiht die Musikgemeinde dem Sänger Phillipp Burger offenbar nicht.

Selbst die Schleswiger Kommunalpolitik legte den Veranstaltern nahe, die Italiener wieder auszuladen. Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen erklärte: „Diese Gruppe passt nicht zu unserer Willkommenskultur. Die können gern in Südtirol bleiben. Hier müssen wir sie nicht haben.“ Einen Auftritt von „Frei.Wild“ auf einer Veranstaltung in der Zuständigkeit der Stadt Schleswig hätte er auf keinen Fall zugelassen. Burger bezeichnete die Politiker daraufhin als „Gutmenschen“ und deren Wähler als „Schoßhündchen“.

http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/politik-macht-front-gegen-frei-wild-id9144856.htmlUnglaublich!!!...

Posted by Philipp Burger on Samstag, 7. März 2015

Immer wieder zeigen auch Musiker ihre Antipathie gegenüber der Band. 2013 bat die Band Kraftklub ihr Management darum, ihre Echo-Nominierung zurückzuziehen weil Frei.Wild auch nominiert war. Dem Erfolg der Band jedoch tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Außenseiterrolle bewährt sich als eine gute Marketingstrategie.

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