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Schleswig-Holstein flop, Hamburg top

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Studie zu Ganzstagsschulen sieht das nördlichste Bundesland im unteren Drittel

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kiel/Hamburg | Nach einem Länder-Ranking der Bertelsmann-Stiftung gehört Schleswig-Holstein zu den Bundesländern, in denen mit am wenigsten Kinder und Jugendliche eine Ganztagsschule besuchen. Hamburg komme dagegen bundesweit auf Platz zwei in der Rangliste.

Im Schuljahr 2011/12 nutzten demnach im nördlichsten Bundesland etwa 60 000 Kinder und Jugendliche Ganztagsangebote. Das waren weniger als 25 Prozent aller Schüler zwischen Nord- und Ostsee

Wie die Studie des Essener Bildungsforschers Professor Klaus Klemm im Auftrag der Stiftung zeigt, bewegt sich Schleswig-Holstein im Ländervergleich mit seiner der Kultusministerkonferenz gemeldeten Quote von 21,6 Prozent von Ganztagsschülern im unteren Drittel. Spitzenreiter ist Sachsen mit 78,5 Prozent, Schlusslicht Bayern mit 11,4 Prozent. Der Bundesdurchschnitt beträgt 30,6 Prozent.

Zumindest, wenn man repräsentative bundesweite Umfragen zum Maßstab nimmt, bleibt das Angebot im Norden auch hinter dem Elternwillen weit zurück. Bereits 2010 hatte Infratest Dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ermittelt, dass 63 Prozent der Eltern sich für ihr Kind den Besuch einer Ganztagsschule wünschen. Im vergangenen Jahr war dieser Wert nach einer Erhebung von TNS Emnid bereits bei 70 Prozent angelangt.

Lediglich 4,2 Prozent der Schüler in Schleswig-Holstein (Vorjahr: 6,9 Prozent) besuchten eine gebundene Ganztagsschule. Gegenüber der offenen Ganztagsschule, in denen jedem frei steht, die Nachmittagsangebote zu nutzen, gelten in der gebundenen Ganztagsschule für alle Schüler einer Klasse dieselben Unterrichtszeiten. Nach Studien bietet dieses Modell die besten Möglichkeiten, das soziale und kognitive Lernen zu fördern - und so auch Benachteiligungen von Kindern aus bildungsfernen Familien zu verringern. Einen geringeren Zugang zu gebundenen Angeboten als in Schleswig-Holstein gibt es nur in Hessen. Der Bundes-Durchschnitt liegt bei 13,7 Prozent. Zudem ermöglicht der gebundene Ganztag eher, zwischen Konzentrations- und Entspannungsphasen zu wechseln und den starren 45-Minuten-Takt aufzubrechen.

"In der offenen Ganztagsschule konzentriert sich der Unterricht weiter auf den Vormittag, während nachmittags nur Betreuung möglich ist. Das mag berufstätigen Eltern entgegenkommen, dem Lernerfolg der Kinder hilft das weniger", so Bertelsmann-Vorstandsmitglied Jörg Dräger. Er bekräftigte den Vorschlag der Stiftung, jedem Schüler einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Ganztagsschule einzuräumen: Ein solcher Rechtsanspruch sei der entscheidende Hebel für eine staatliche Investitionsoffensive. Die Länder bräuchten auch gemeinsame Qualitätsstandards, "damit die Ganztagsschule überall ihre Potenziale für mehr Chancengerechtigkeit entfalten kann." Eine Studie der Stiftung hatte im vergangenen Jahr die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau der gebundenen Ganztagsschule in Schleswig-Holstein auf jährlich rund 310 Millionen Euro beziffert.

Das Kieler Bildungsministerium hatte in einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Zahlen-Spiegel zum heute beginnenden Schuljahr hingegen nicht auf die Zahl der Schüler, sondern auf die der Schulen abgehoben. Danach machen im neuen Schuljahr mehr als 60 Prozent der Schulen im Land ein Ganztagsangebot. 468 Schulen seien offene, 32 gebundene Ganztagsschulen.

Mehr als die Hälfte aller Hamburger Kinder und Jugendlichen geht ganztags in die Schule. Die Hansestadt liegt damit laut einer Studie ganz weit vorn. Gleichwohl muss sie sich noch anstrengen, denn der Bedarf ist wohl noch viel größer.

Hamburg steht beim Ganztagsschulangebot dagegen glänzend da. Laut der Studie besuchten im Stadtstaat vergangenes Schuljahr 82 466 Kinder ihre Schule über die Mittagszeit hinaus. Das entspreche einer Quote von 56,8 Prozent. Hamburg liege damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von gut 30 Prozent und müsse sich nur von Sachsen schlagen lassen (78,5 Prozent). Als positiv bewertete die Studie den mit 22,1 Prozent relativ hohen Anteil von gebundenen Ganztagsschulen in Hamburg.

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