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„Santa Fu“: Wohnprojekt völlig offen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Plan, neue Mietwohnungen auf dem Gelände der JVA zu errichten ist in weite Ferne gerückt, obwohl durchaus Gründe dafür sprechen

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 12:39 Uhr

Es ist die vielleicht skurrilste Idee, um Hamburgs Wohnungsmangel zu lindern: Auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Fuhlsbüttel soll eine Siedlung mit Mietwohnungen für mehrere hundert Bewohner entstehen. So wünscht es sich der Bezirk Nord seit Jahren, und so will es auch Justizsenatorin Jana Schiedek (SPD). Doch: „Schöner Wohnen“ Tür an Tür mit Schwerverbrechern wird es womöglich nicht geben. Denn in der aktuellen Fassung seines Wohnungsbauprogramms stuft der Bezirk die Chancen auf eine zügige Realisierung als gering ein.

So ungewöhnlich der Vorschlag klingt, er erfüllt doch einen doppelten Zweck. Zum einen ist das bekannteste Gefängnis in Deutschland inzwischen viel zu groß. Die Zahl der Häftlinge sinkt stetig, von einst 800 auf aktuell 266. Die Justizbehörde will deshalb nach dem Haus 1 auch das Haus 3 in „Santa Fu“ schließen und 2,5 Hektar des Anstaltsgeländes abstoßen. Zugleich herrscht akute Wohnungsknappheit in der Stadt, die Bezirke suchen händeringend nach geeigneten Baugrundstücken. Die Lage der JVA im grünen Hamburger Norden gilt für Investoren wie für Bewohner grundsätzlich als attraktiv. Der Alsterlauf liegt nur einen Steinwurf entfernt.

So weit die Theorie. In der Praxis hält der Bezirk nach langwierigen Prüfungen den Bau einer ausreichend großen Zahl von Einheiten auf dem JVA-Gelände für nur schwer möglich. Die Verantwortlichen verweisen auf diverse „Planungsrestriktionen“, darunter
den Denkmalschutz der betroffenen Gefängnishäuser 1 und 3, die abgerissen werden müssten. Dasselbe gilt für das Torgebäude am Suhrenkamp, in dem die Gedenkstätte für das KZ und die Strafanstalten Fuhlsbüttel zur Nazi-Zeit untergebracht ist. Als hinderlich erweisen sich zudem die hohen Sicherheitsanforderungen, die eine Nachbarschaft zu einem Schwerverbrecher-Knast mit sich bringt. So müssen zwischen den Wohnhäusern und der Gefängnismauer ein großer Sicherheitsabstand liegen. Auch dürfen die Neubauten eine gewisse Höhe nicht übersteigen, damit niemand von dort Waffen oder andere verbotene Gegenstände auf das Anstaltsgelände werfen kann. Und schließlich vermuten Archäologen im Erdreich unter dem betroffenen Areal auch noch eines der wertvollsten Felder mit Urnengräbern aus der Germanenzeit

Trotz allem hält die Justizsenatorin an der Bebauung fest. „Es gibt kein Aus für die Planungen“, stellt ihr Sprecher Sven Billhardt klar. „Wir befinden uns weiterhin in Gesprächen mit dem Bezirk, um offene Fragen zu klären.“ So oder so: Wohnen mit Knastblick wird es in Fuhlsbüttel bald geben. Das städtische Unternehmen Saga/GWG errichtet auf einem westlich an die JVA angrenzenden Grundstück ab diesem Jahr eine Siedlung mit 480 Einheiten, teils Geschosswohnungsbau, teils Stadtvillen: die Hälfte davon als sozialer Wohnungsbau.

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