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Regionalverkehr : S4 – die teure Linie nach Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wieder ein öffentliches Projekt, das deutlich teurer wird als geplant. Die Bahnlinie zwischen Hamburg und Bad Oldesloe sollte ursprünglich 350 Millionen Euro kosten. Nun wird es fast das Doppelte.

Die geplante neue S-Bahnlinie 4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) wird deutlich teurer als gedacht. Eine erste fundierte Kostenschätzung nennt einen Gesamtpreis von 630 Millionen Euro für die 36 Kilometer lange Strecke. Dafür sollen zwischen Hamburg-Hasselbrook und Ahrensburg zwei eigene S-Bahngleise gebaut, zwischen Ahrensburg und Bargteheide eines. Dazu sind fünf oder sechs neue Bahnhöfe vorgesehen, vier davon auf Hamburger Gebiet. In Stormarn soll es ein oder zwei neue Stationen geben. Geprüft werden die Standorte Ahrensburg-West und Delingsdorf.

Bisher waren für das wichtigste gemeinsame ÖPNV-Projekt von Hamburg und Schleswig-Holstein 350 Millionen Euro genannt worden. Die Zahl basierte indes auf vagen und veralteten Annahmen. Die nun kalkulierten 630 Millionen Euro umfassten auch einen „relevanten Anteil“ für die parallel verlaufende Güter- und Fernverkehrsstrecke, sagten Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) und Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD), die die Kostenschätzung in Ahrensburg gemeinsam präsentierten.

Der Gesamtbetrag sei kein Endpreis, auch Verteuerungen seien noch möglich, räumten die Minister ein. Die Kosten könnten sich verändern, weil Detailuntersuchungen zum Umwelt- oder Lärmschutz erst noch erfolgten. Auch müsse der Baugrund noch umfassender untersucht werden.

Obwohl die S4 seit weit mehr als zehn Jahren auf der politischen Tagesordnung steht, befindet sich das Verfahren noch in einem frühen Stadium. Erst im Herbst soll die Vorentwurfsplanung vorliegen, dem schließt sich die Kosten-Nutzen-Analyse an, die für die erhofften Bundesmittel notwendig ist. Die Genehmigungsplanung soll 2016 stehen, so dass laut Horch 2017 oder 2018 mit dem Bau begonnen werden könnte. Dieser soll sechs bis sieben Jahre dauern.

Der lange Zeithorizont hilft den Nordländer, die Kosten zu schultern. Von der Gesamtsumme, so die Erwartung in Hamburg und Kiel, wird der Bund 60 Prozent tragen. Die verbleibenden 40 Prozent wollen sich Schleswig-Holstein und die Hansestadt hälftig teilen, so dass auf jeden 126 Millionen Euro entfielen. Meyer: „Verteilt auf einen Zeitrum von etwa zehn Jahren wäre das für beide Länder finanzierbar.“

Die S4 soll den Nahverkehr zwischen Hamburg und dem Kreis Stormarn deutlich verbessern. Die bisherige Regionalbahnverbindung R 10 ist berüchtigt für Verspätungen, Überfüllung und Pannen, auch weil sie sich die Gleise mit dem Fern- und Güterverkehr zwischen Hamburg und Lübeck teilt. Von Hamburg nach Ahrensburg soll künftig in der Hauptverkehrszeit ein Zehn-Minuten-Takt gelten. Der Wegfall der R 10 soll überdies dem überlasteten Hauptbahnhof Luft verschaffen.


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erstellt am 02.Sep.2013 | 06:00 Uhr

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