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Scoopcamp in Hamburg : Roboter-Journalismus: Wenn Maschinen über Sport schreiben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie kann Technologie den Journalismus verbessern? Beim Scoopcamp in Hamburg suchten mehr als 260 Experten der Medienbranchen nach Antworten. Eine: Roboter.

Computer haben den Journalismus verändert. Inzwischen sind sie sogar mehr als nur Arbeitswerkzeuge. Sie können selbst Inhalte erstellen – zum Beispiel Tabellen, Grafiken, aber auch Texte. Roboter-Journalismus nennt man das. Was hat das für Konsequenzen für den „echten“ Journalismus? Ein Interview mit Saim Alkan.

Wie funktioniert Roboter-Journalismus?
Wir haben eine Software entwickelt, die aus statistischen Daten Texte generiert. Sie beherrscht die Grammatik von zehn verschiedenen Sprachen. Außerdem kann sie Daten aus unterschiedlichen Quellen verknüpfen und daraus Beziehungen und Besonderheiten identifizieren.

Wofür wird Roboter-Journalismus eingesetzt?
Ganz konkret zum Beispiel im Sportbereich: Für den Sport-Informations-Dienst (SID) erstellen wir automatische Terminankündigungen. Wer spielt gegen wen? Welche Mannschaft hat gerade den besseren Lauf? Genauso können Wettervorhersagen automatisch erstellt werden.

Journalisten werden künftig also nicht mehr gebraucht?
Doch, Roboter können nur Strukturen erfassen und nach vorgegebenen Regeln bewerten. Redakteure führen hingegen Hintergrundgespräche und ordnen Informationen ein. Aber Maschinen können sie unterstützen – zum Beispiel bei Aktienkursen. Das sind Routinebeschreibungen. Die übernimmt das System und meldet sich nur, wenn etwas Außergewöhnliches passiert. Dann kann der Journalist die Ursache recherchieren.

Können Leser Texte von Journalisten und Robotern unterscheiden?
Einer wissenschaftlichen Studie zufolge nicht. 30 Probanden wurden beide Texte vorgelegt. Der Maschinentext wurde dabei sogar als sachlicher und informativer bewertet.

Wie entwickelt sich Roboter-Journalismus in der Zukunft?
In fünf Jahren wird in den meisten Redaktionen mit automatisierten Texten gearbeitet werden. Das werden keine Texte für die große Masse sein. Ein Champions-League-Spiel braucht nach wie vor einen Journalisten mit viel Feingefühl. Aber ein Kreisligaspiel, für das der Redakteur keine Zeit mehr findet, könnte schon heute von einer Maschine zusammengefasst werden, wenn die entsprechenden Daten vorliegen. Der Vorteil für die Verlage liegt darin, dass sich der Journalist auf das Wichtigste konzentrieren kann. Außerdem können auch die kleinsten Zielgruppen ohne viel Aufwand mit individuellen Informationen versorgt werden.

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erstellt am 05.Sep.2014 | 12:20 Uhr

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