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Desy-Gelände : Richtfest beim Röntgenlaser XFEL in Schenefeld

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In einer riesigen Anlage sollen Forscher die kleinsten Teile der Natur untersuchen. Der Bau des XFEL schreitet voran.

Schenefeld | Das Röntgenlaser-Projekt European XFEL hat am Mittwoch Richtfest für sein zentrales Labor- und Bürogebäude in Schenefeld bei Hamburg gefeiert. Das Projekt umfasst eine 3,4 Kilometer lange Tunnelanlage, in der nach Fertigstellung Ende 2016 extrem kurze und intensive Röntgenblitze erzeugt werden sollen. Die Leuchtstärke der Blitze soll so hell sein, dass damit 3D-Aufnahmen auf atomarer Ebene möglich werden. Es werde eine Anlage, die in der Welt führend sei, sagte Geschäftsführer Massimo Altarelli. „Sie wird uns erlauben, neue Materialien und neue Medikamente zu entwickeln.“

Von den Baukosten in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro tragen der Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein den Löwenanteil von knapp 60 Prozent. Zweitgrößter Geldgeber ist Russland mit 27 Prozent, der Rest verteilt sich auf andere internationale Partner. Gebaut wird das Projekt von der European XFEL GmbH, deren Hauptgesellschafter das Deutsche Elektronen-Synchrotron (Desy) ist. Hamburg steuert 7 Prozent der Kosten bei, Schleswig-Holstein 3 Prozent.

Der Stand der Dinge beim Richtfest: Blick auf das Hauptgebäude.
Der Stand der Dinge beim Richtfest: Blick auf das Hauptgebäude. Foto: dpa

Mit den bisherigen Anlagen des Desy können bereits Aufnahmen von kleinsten Teilchen gemacht werden. Das XFEL (X-Ray Free-Electron Laser) wird freie Elektronen so stark beschleunigen, dass 27.000 Lichtblitze pro Sekunde entstehen. Zum Vergleich: Eine vergleichbare, schon bestehende Anlage im kalifornischen Stanford („SLAC“) schafft nur 120 pro Sekunde. Die Lichtblitze werden auf den Untersuchungsgegenstand, etwa ein Molekül oder ein Virus, gelenkt. Beim Auftreffen des Laserlichts entstehen die entscheidenden Bilder.

Die Forscher in Hamburg werden künftig sehen können, wie Atome oder Moleküle sich verbinden. „Sie können eine Art Zeitlupenfilm von einer chemischen Reaktion machen“, erklärte Desy-Sprecher Thomas Zoufal.

Der Vorsitzende des Desy-Direktoriums Helmut Dosch (links) und der European XFEL-Geschäftsführer Massimo Altarelli beim Richtfest.
Der Vorsitzende des Desy-Direktoriums Helmut Dosch (links) und der European XFEL-Geschäftsführer Massimo Altarelli beim Richtfest. Foto: dpa

Die Wissenschaftler könnten auf diese Weise mehr über die Spielregeln der Natur lernen, auch wie sie eventuell verändert werden können. Als Beispiel nennt Zoufal Katalyseprozesse, also chemische Reaktionen, die von einem bestimmten Stoff beschleunigt werden. „Manche Katalysatoren verstehen wir noch nicht einmal.“ Neue Materialien in der Nanotechnik könnten entwickelt werden. Oder Mediziner hätten die Möglichkeit, das Verhalten von Viren zu begreifen.

Das Projekt umfasst eine 3,4 Kilometer lange Tunnelanlage. Hier fahren Mitarbeiter im Teilchenbeschleuniger-Tunnel.
Das Projekt umfasst eine 3,4 Kilometer lange Tunnelanlage. Hier fahren Mitarbeiter im Teilchenbeschleuniger-Tunnel. Foto: dpa

Zoufal lobte die internationale Zusammenarbeit, auch mit Russland. „Die Kooperation hat nicht unter der aktuellen Entwicklung gelitten“, sagte er. Russland beiteilige sich nicht nur mit Geld, sondern habe auch „sehr helle Köpfe“. Auch Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) würdigte den fachlichen Austausch mit Russland, über den sie sehr glücklich sei. Altarelli erklärte, dass inzwischen auch Großbritannien angekündigt habe, sich am European XFEL zu beteiligen.

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erstellt am 18.Feb.2015 | 17:24 Uhr

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