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Wolfgang Koszics : Reemtsma-Entführer tot an Portugals Küste gefunden

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Bereits vor einem Jahr starb Koszics an der portugiesischen Algarve. Er soll von einer Klippe gefallen sein.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 11:38 Uhr

Hamburg | Gewaltsames Ende eines Berufskriminellen: Der Reemtsma-Entführer Wolfgang Koszics ist an der portugiesischen Südküste von einer Klippe gestürzt und gestorben. Das hat die Hamburger Staatsanwaltschaft gestern bestätigt. Nach Angaben von Sprecherin Nana Frombach war der Leichnam des 72-Jährigen bereits im Februar vorigen Jahres an der Algarve im Atlantik treibend entdeckt worden. „Wir haben ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.“ Die Hamburger Behörde ist zuständig, weil Koszics zuletzt einen Hamburger Wohnsitz hatte.

Laut Frombach dienen die Ermittlungen der Aufklärung der Todesursache. „Wir können ein Fremdverschulden nicht ausschließen.“ Allerdings kämen ebenso ein Unfall und ein Freitod in Betracht. Die Staatsanwaltschaft habe ein Rechtshilfeersuchen an die portugiesischen Stellen gerichtet, dessen Beantwortung noch ausstehe. Nähere Angaben – auch dazu, in welchem Ort genau die Leiche entdeckt wurde-, machte die Sprecherin nicht.

 Der Körper von Wolfgang Koszics liegt seit einem Jahr in einem Kühlfach der Rechtsmedizin in Portugal. Das Landeskriminalamt Hamburg erfuhr im Mai 2014 über die deutsche Botschaft, dass es sich bei dem Toten um den Reemtsma-Kidnapper handelt. Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft sich dann des Falls angenommen. Die Hamburger Ermittler planen, den Leichnam demnächst vor Ort von eigenen Mitarbeitern obduzieren zu lassen. Dazu könnte der bekannte Rechtsmediziner Klaus Püschel von der Elbe gen Süden fliegen. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll Koszics beim Sturz von der Klippe erhebliche Mengen Alkohol im Blut gehabt haben. Die Staatsanwaltschaft kommentierte das nicht.

Koszics war vor dem spektakulären Entführungsfall als Straßenräuber aktenkundig, Spitzname „Faruk, der Dicke". 1996 verschleppte er gemeinsam mit Haupttäter Thomas Drach und Helfer Peter Richter den Hamburger Multimillionär Jan Phillipp Reemtsma vor dessen Blankeneser Villa. Die Bande hielt den Tabakerben 33 Tage angekettet in einem Keller in Garlstedt bei Bremen fest. Koszics bewachte das Entführungsopfer mehrere Tage in dem Verlies. Im Prozess berichtete er launig, er habe dabei mehrere Duftwässer aufgelegt, um das Opfer zu verwirren. Auch war er an mindestens zwei Versuchen zur Lösegeldübergabe beteiligt.

Nach Zahlung der Rekordlösegeldsumme von 30 Millionen D-Mark hatte sich der Drach-Komplize als Geldwäscher betätigt und rund eine Million Mark in Devisen umgetauscht. Die Polizei fasste Koszics im Mai 1996 im südspanischen Murcia. Bei der Festnahme versuchte der Rheinländer, sich das Leben zu nehmen. 1997 verurteilte ihn das Hamburger Landgericht wegen erpresserischen Menschenraubes zu zehneinhalb Jahren Haft.

Dass sich Hamburgs Strafverfolger für den Tod des Entführers im fernen Portugal so sehr interessieren, hat vor allem einen Grund: Auch fast 20 Jahre nach der Tat ist mehr als die Hälfte des erpressten Geldes noch immer verschwunden. Die wichtigste Frage, die sich die Ermittler stellen: Starb Koszics im Zusammenhang mit den fehlenden Millionen?

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