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Polizeigewerkschaft Hamburg : Red-Bull-Sponsoring mit Nachgeschmack

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Polizeigewerkschaft schenkt in Hamburg vor einem Einsatz „Red Bull“ an Beamte aus – und sorgt für mächtig Wirbel in der Hansestadt.

Drei Hamburger Polizisten lachen in die Kamera und halten Red-Bull-Dosen in der Hand: Das Foto auf der Internetseite der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) sorgt in der Hansestadt für Hohn und Empörung. Oppositionspolitiker in der Bürgerschaft nennen die unverhohlene Werbung für den Getränkehersteller „äußerst peinlich“ und „unanständig“.

Die Aufnahme hat der Hamburger DPolG-Landesverband Anfang dieser Woche als Teil eines Blog-Eintrags veröffentlicht. Darin berichtet die Gewerkschaft über die Versorgung von Kollegen vor deren Einsatz beim Hausbesetzerkongress („Squatting Days“) am vorigen Wochenende. Bei Auseinandersetzungen mit Hausbesetzern waren 13 Polizisten leicht verletzt worden.

Laut dem Text hatten zwei Mitglieder der DPolG den Beamten vor Eröffnung der „Squatting Days“ nicht nur Süßigkeiten und heißen Kaffee gebracht, sondern auch „Kaltgetränke unseres Kooperationspartners ‚Red Bull‘“. Damit nicht genug der polizeilichen Werbung für den österreichischen Brause-Fabrikanten. Wer weiterliest, erfährt: „Neu von ‚Red Bull‘ im Angebot war die Geschmacksrichtung ‚Red Bull Cola‘, die von den Kräften – wie auch die anderen Angebote – positiv und dankbar angenommen wurde.“ Der Autor vermerkt schließlich auch: „Bevor die Einsatzlage sich bekanntermaßen verschärfte und es zur Sache ging, konnten alle eingesetzten Kräfte komplett erreicht und versorgt werden.“

Scharfe Kritik an dem Blogpost kommt auch von der Opposition. Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Christiane Schneider, sagte „NDR Info“, es sei Aufgabe des Dienstherren, die Einsatzkräfte zu versorgen. „Wenn durch Vermittlung der DPolG in Hamburg Privatfirmen wie Red Bull Polizeieinsätze, also die Ausübung hoheitlicher Tätigkeiten sponsern und zu Werbezwecken nutzen, halte ich das für unanständig und nicht akzeptabel.“ Schneider forderte Innensenator Michael Neumann (SPD) auf, „diesem Treiben“ durch „klare Richtlinien“ ein Ende zu setzen. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Antje Möller, findet es „äußerst peinlich, wenn sich eine Gewerkschaft so auf einen Sponsor einlässt, dass sie zum Vorkoster für ein neues Produkt wird“.

Hamburgs DPolG-Chef Joachim Lenders kann mit den Vorwürfen nichts anfangen und weist sie samt und sonders zurück. Red Bull sei nur einer von mehreren Sponsoren der Gewerkschaft. Das Unternehmen unterstütze die Gewerkschaft und deren Mitglieder gelegentlich mit einer Palette Gratis-Getränke. Geld fließe dabei nicht. Lenders: „Wir wollten dem Kooperationspartner dafür einmal Danke sagen.“ Nach seinen Angaben stellen andere Unternehmen den Polizeigewerkschaftern unter anderem vergünstigte Musicaltickets oder Karten für Sportveranstaltungen zur Verfügung.

Innenbehörde und Polizeiführung sehen keinen Grund zum Einschreiten. Dort heißt es gleichlautend: „Das Ganze ist allein Sache der Gewerkschaft.“
 

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erstellt am 05.Sep.2014 | 07:15 Uhr

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