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Heilpraktikertreffen in Handeloh : Razzien nach Massenrausch bei Harburg

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Nach dem gefährlichen Therapie-Trip bei einem Heilpraktikertreffen haben Ermittler Wohnungen durchsucht. Die Organisatoren des Seminars hatten mehrere Teilnehmer mit Drogen in Lebensgefahr gebracht.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2015 | 11:41 Uhr

Handeloh | Nach dem gefährlichen Massenrausch bei einem Heilpraktikertreffen im Kreis Harburg konzentrieren sich die Ermittlungen auf die beiden Seminar-Organisatoren und zwei Helfer. Gegen die übrigen 25 Teilnehmer seien die Verfahren eingestellt worden, teilten die Polizei und die Staatsanwaltschaft Stade am Dienstag mit. In zwei bei der Tagung sichergestellten Kapseln sei die verbotene Psychodroge 2C-E nachgewiesen worden. Die Teilnehmer hätten die Droge nur zum sofortigen Konsum entgegengenommen, was nicht strafbar sei. Außerdem wurde im Kreis Harburg und im Raum Aachen bei Wohnungsdurchsuchungen Beweismaterial sichergestellt.

Bei der Massenvergiftung mit Drogen waren am 4. September im niedersächsischen Handeloh knapp 30 Menschen betroffen. Die Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren litten unter Wahnvorstellungen, Krämpfen, Schmerzen, Luftnot und auch Herzrasen. Es kam zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich bei den beiden Organisatoren der Veranstaltung um eine Heilpraktikerin und einen Psychologen aus der Region Aachen, die sich auch mit der sogenannten Psycholyse befassen. Dabei soll mit Hilfe von Drogen eine Art Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Wiederholt ist es dabei in den vergangenen Jahren zu schweren Zwischenfällen gekommen. So verlief im März 2009 eine solche Sitzung in Berlin für zwei Teilnehmer tödlich.

„Die Gruppe war schon früher bei uns und ist da in keinster Weise aufgefallen“, sagt Stefka Weiland, Geschäftsführerin des Tagungszentrums „Tanzheimat Inzmühlen“. Sie ist noch immer fassungslos. „Das waren Heilpraktiker, Ärzte, Homöopathen und Psychologen.“

„Mit Psychotherapie und Medizin hat die sogenannte Psycholyse nichts zu tun“, betont Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). „Wenn jemand zu diesem Zweck illegale Drogen verabreicht, dann ist das eine Straftat. Außerdem wird dabei dem Machtmissbrauch durch den Therapeuten Tür und Tor geöffnet.“

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