Landgericht Hamburg : Prozess: 65-Jährige auf Friedhof missbraucht

Eine Seniorin besucht das Grab ihres Mannes - und wird auf dem Friedhof brutal vergewaltigt. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter hat begonnen.

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08. Juni 2013, 10:14 Uhr

Hamburg | Kurz nach Prozessbeginn gegen einen 35-jährigen Mann, der eine Seniorin auf einem Friedhof missbraucht haben soll, ist die Verhandlung am Donnerstag wieder unterbrochen worden. Der Angeklagte muss sich vor dem Hamburger Landgericht wegen Vergewaltigung und räuberischer Erpressung verantworten. Weil ein psychiatrischer Sachverständiger am ersten Verhandlungstag nicht anwesend war, wurde der Prozess nach Verlesung der Anklageschrift vertagt.
Staatsanwältin Ilse Kahnenbley ließ keinen Zweifel daran, wie brutal der Täter im Januar dieses Jahres vorging. Der Mann habe auf dem Friedhof vor dem Opfer seine Hose geöffnet. Als die Seniorin zu schreien begann, habe er sie an der Schulter gepackt, mit der Faust ins Gesicht geschlagen und an den Haaren gerissen. "Weil die Frau erneut schrie, hielt er ihr Mund und Nase zu", sagte Kahnenbley. Dabei habe die 65-Jährige keine Luft mehr bekommen. Anschließend habe er sie missbraucht.

Opfer stand Todesängste aus

Die Staatsanwältin betonte, wie erniedrigend die Tat für das Opfer gewesen sei. Die Frau habe dem Angeklagten auch ihr Bargeld - rund 40 Euro - gegeben. Die 65-Jährige habe Todesängste ausstehen und im Krankenhaus am Auge operiert werden müssen.
Die Frau war laut Gerichtssprecherin Ruth Hütteroth in der Nacht auf den Friedhof im Stadtteil Ottensen gegangen, um wie gewohnt das Grab ihres Mannes zu besuchen. Sie hatte zuvor den Abend mit einer Freundin im Theater verbracht. Der einschlägig vorbestrafte Mann war zur Tatzeit gerade aus der Haft entlassen worden.

Urteil wird nicht vor Ende Juli erwartet

Die Polizeigewerkschaft hatte die Justiz dafür kritisiert, dass trotz Hinweisen auf die Gefährlichkeit des Mannes nach dessen Entlassung keine Sicherungsverwahrung angeordnet worden sei. Das Gericht wird während des nun begonnenen Prozesses auch darüber entscheiden, ob für den Mann nach einer möglichen Haftstrafe von bis zu 15 Jahren zusätzlich eine Sicherungsverwahrung verhängt wird.
Der Verteidiger des Angeklagten teilte mit, dass sein Mandant sich am nächsten Verhandlungstag zu den Vorwürfen äußern wolle. Der Prozess soll in einer Woche fortgesetzt werden. Ein Urteil wird nicht vor Ende Juli erwartet.

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