Oberlandesgericht : Polnischverbot: Vater auf Klagemarathon

Wojciech Pomorski darf mit seinen Kindern nicht mehr polnisch sprechen - denn er darf die Mädchen nur unter Aufsicht des Jugendamtes sehen.

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05. Juli 2011, 09:22 Uhr

Hamburg | Er kämpft um das Recht, mit seinen Töchtern Polnisch reden zu dürfen. Doch Wojciech Pomorski (40) musste nun erneut einen Rückschlag hinnehmen. Das Oberlandesgericht hat die Forderung des gebürtigen Deutsch-Polen gegenüber der Stadt Hamburg auf 15.000 Euro Schmerzensgeld abgewiesen. Pomorski sieht sich als Opfer Hamburger Behörden, weil diese ihm 2003 vorgeschrieben hatten, bei Treffen mit den beiden Töchtern aus einer gescheiterten Ehe Deutsch zu reden.
Der Klagemarathon hatte begonnen, als Pomorskis Frau ihn mit den damals sechs und drei Jahre alten Töchtern verließ. Sie gab an, der Mann sei gegen sie und die Mädchen gewalttätig geworden, was dieser bestreitet. Ein Richter räumte dem Ehemann Besuchsrecht ein, allerdings unter Aufsicht des Jugendamtes. Das bestimmte, dass bei den Treffen Deutsch gesprochen werden müsse, da kein Mitarbeiter mit Polnisch-Kenntnissen zur Verfügung stehe. Als das Amt 2004 Gespräche in Polnisch schließlich doch zuließ, waren Ex-Frau und Kinder schon nach Wien umgezogen.
Seither prozessiert der studierte Germanist gegen die Stadt. Er sagt: "Das Polnisch-Verbot hat mich tief in meine Würde getroffen." Mehr als ein Dutzend Prozesse hat er geführt - erfolglos. Inzwischen klagt er auch gegen Behörden in Wien. Auch das jüngste Hamburger Urteil will Pomorski nicht auf sich beruhen lassen: "Jetzt gehe ich vors Verfassungsgericht und vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte."
(mlo, shz)

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