Hamburg : Polizeipräsident Jantosch verliert seinen Job

Werner Jantosch. Foto: dpa
Werner Jantosch. Foto: dpa

Hamburgs Polizeipräsident muss gehen. Veränderungen in der Verwaltung sind der offizielle Grund. Die CDU-Opposition vermutet jedoch Parteienfilz.

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30. Dezember 2011, 09:45 Uhr

Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) setzt seinem Polizeipräsidenten den Stuhl vor die Tür. Werner Jantosch (61, Foto), seit 2004 im Amt, werde Mitte Januar in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, kündigte die Innenbehörde am Donnerstag an. Nachfolger soll der Verwaltungsfachmann Wolfgang Kopitzsch (62) werden, Genosse wie Neumann und derzeit Leiter des Bezirksamts Nord.
Die Ablösung Jantoschs kommt für Eingeweihte nicht überraschend. Dessen Verhältnis zu dem seit März amtierenden Innensenator galt von Anfang an als problematisch. Sehr zum Ärger Neumanns zögerte der Polizeipräsident unter anderem viel zu lange mit der angeordneten Versetzung von 100 Polizeibeamten aus den Stäben an die Kommissariate.
Unterschiedliche Auffassungen zur Zukunft der Polizei
Gleichwohl lobte der Senator den scheidenden Chef von knapp 10.000 Polizisten gestern für dessen "Engagement, Arbeit und Herzblut". Jantosch habe die Hamburger Polizei als Präsident seit 2004 "wesentlich geprägt und erfolgreich geführt".
Zugleich deutete der Senator aber auch die unterschiedlichen Auffassungen zur Zukunft der Ordnungsmacht an. Die Polizei müsse die Wahrnehmung der Aufgaben für die Bürger "noch effektiver organisieren", so der Senator. Dies erfordere eine "kritische Überprüfung" eben jener Strukturen, die in der Verantwortung Jantoschs entwickelt und umgesetzt worden seien. Neumann: "Das ist dem Polizeipräsidenten nicht zuzumuten."
"Stur und reformfeindlich"
Der Senator will die Führungsstäbe spürbar abspecken, Hierarchien verflachen und dafür wieder mehr Beamte auf Streife schicken. Jantosch, so heißt es aus der Innenbehörde, habe diese Pläne nur mäßig engagiert aufgegriffen.
Zudem galt der Noch-Präsident vielen Untergebenen als "stur und reformfeindlich". Bereits im Sommer 2010 hatte es einen mittleren Aufstand gegen Jantosch gegeben, der 1996 als Polizeisprecher im Zuge der Reemtsma-Entführung bundesweite Bekanntheit erlangt hatte. Etwa 100 Beamte warfen ihm und seiner Führungsriege in einem anonymen Brandbrief "diktatorischen Stil" vor. Kritiker würden ausgebootet und schikaniert.
Der designierte Nachfolger Kopitzsch ist kein Polizist. Als langjähriger Leiter der Landespolizeifachschule hat er aber Erfahrungen mit dem Apparat gesammelt. Seine Bestätigung durch Senat und Deputation gilt als Formsache.
Gewerkschaft begrüßt den Wechsel
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte den Wechsel. Jantosch trage die Verantwortung für die "Schwierigkeiten bei der Umsetzung der 100er Liste, langjährige Diskussionen um den Führungsstil sowie innere Unzufriedenheit", sagte GdP-Landeschef Uwe Koßel.
Während auch SPD, GAL und Linke die Abberufung befürworteten, kam von der CDU harsche Kritik. Unions-Innenexperte Kai Voet van Vormizeele sprach von rotem Filz. "Die SPD setzt rücksichtslos ihre Linie fort, Beamte abzulösen, die nicht das sozialdemokratische Parteibuch haben."

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