Hamburger Findelbaby : Polizei sucht Maries Mutter

Die Schwestern im Krankenhaus gaben dem Hamburger Findelkind den Namen Marie. Foto: dpa
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Die Schwestern im Krankenhaus gaben dem Hamburger Findelkind den Namen Marie. Foto: dpa

Das vor dem CCH ausgesetzte Neugeborene ist wohlauf. Schwestern im Krankenhaus gaben dem Kind den Namen Marie. Die Polizei fahndet jetzt nach der Mutter.

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07. Januar 2011, 11:45 Uhr

Hamburg | Offenbar wollte die Mutter nicht, dass ihr Baby stirbt. Und doch wäre genau das fast passiert: Hamburgs Mordkommission fahndet nach einer Unbekannten, die ihr Neugeborenes in einem Koffer vor dem Lieferanteneingang des CCH abgestellt hat. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt wäre das wenige Stunden alte Mädchen vermutlich erfroren, hätte nicht ein Passant den herrenlosen Trolley bemerkt und den Portier informiert. Habib N. (60) holte den schwarzen Koffer ins Warme, glaubte aber zunächst an ein vergessenes Gepäckstück. Erst als er eine gute Stunde später Wimmern aus dem verschlossenen Behälter hörte, sah er nach - und erblickte den Säugling.
"Ich war geschockt und habe am ganzen Körper gezittert", schilderte N. Später seine Gefühle. Das Findelkind kam ins Kinderkrankenhaus Altona, wo die Ärzte schnell Entwarnung geben konnten: Das Mädchen war mit 2200 Gramm zwar untergewichtig, aber ansonsten wohlauf - und hungrig. Schwestern gaben ihr den Namen "Marie". Die Kleine soll noch ein paar Tage in der Klinik aufgepäppelt werden, bevor sie in eine Pflegefamilie kommt.
Mutter ging offenbar von schneller Rettung aus
Das Aussetzen des Neugeborenen hätte leicht ein schlimmeres Ende nehmen können. Der Leitende Arzt Axel von der Wense: "Die Situation war gefährlich. Bei derartigen Außentemperaturen sinkt die Körpertemperatur alle 20 Minuten um mindestens ein Grad." Die Ermittler gehen davon aus, dass die Mutter ihre Tochter bewusst vor dem CCH-Zugang ablegte, weil sie dort von einer schnellen Rettung ausging.
Offenbar hat die Unbekannte allein entbunden, die Nabelschnur war unfachmännisch durchtrennt. Wegen Verdachts auf versuchte fahrlässige Tötung ermittelt die Mordkommission. Noch in der Nacht nahmen Spürhunde Witterung auf und verfolgten die Spur des Koffers bis zum benachbarten Dammtor-Bahnhof. Fahnder werten nun die Bilder der dortigen Überwachungskameras aus.

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