zur Navigation springen

Hamburger Cyclassics : Polizei radelt Sexverbrecher hinterher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ehemaliger Sicherungsverwahrter nimmt an den Hamburger Cyclassics teil – zwei Beamte begleiten ihn. Der aus der Haft entlassene Sextäter wird Non-stop überwacht, da er weiterhin als gefährlich gilt.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 07:41 Uhr

Hamburg | Bei den Hamburg Cyclassics will am Sonntag auch ein ehemaliger Sicherungsverwahrter an den Start gehen. Der 54-Jährige werde bei dem Radrennen durch die Stadt von zwei Polizeibeamten begleitet, heißt es aus Kreisen der Ordnungshüter. Offiziell will sich die Polizei zu dem Vorgang nicht äußern. Sie verweist darauf, dass der verurteilte Sexualstraftäter seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Februar 2012 ein freier Mann sei.

Dennoch wird Jens B. seither permanent von Hamburger Polizisten und Sozialarbeitern begleitet und überwacht – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Die Polizeiführung hatte entschieden, B. wegen einer möglichen Rückfallgefahr permanent im Auge zu behalten. Der gelernte Gärtner ist einer von drei Schwerverbrechern, die nach Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Bundesverfassungsgerichts freigelassen werden mussten. Die Richter hatten die nachträgliche Verhängung oder Verlängerung von Sicherungsverwahrung als Verstoß gegen die Menschenrechte verworfen.

Der Hamburger Jens B. war 1987 wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes in Göttingen verurteilt worden. Er hatte eine 29-Jährige nackt an einen Baum gefesselt, sie vergewaltigt und anschließend neunmal auf die Frau eingestochen. Das Opfer überlebte nur knapp. In der Verhandlung bescheinigte ein Psychiater dem Täter, der schon zuvor mehrfach Mädchen und Frauen sexuell missbraucht hatte, eine „schwere seelische Abartigkeit“. Weil das Gericht eine erhebliche Gefährdung der Öffentlichkeit sah, erhielt B. zu seinen 15 Jahren Strafhaft noch zehn Jahre Sicherungsverwahrung. Als die Verwahrzeit in der JVA Fuhlsbüttel Ende 2011 ablief, war eine Verlängerung aufgrund der höchstrichterlichen Rechtsprechung ausgeschlossen. Der inzwischen kastrierte B. kam frei, obwohl ihn Behörden und Psychologen weiterhin für potenziell gefährlich halten.

Der 54-Jährige trainiere seit Wochen „wie ein Besessener“ für die Teilnahme am Jedermannrennen der Cyclassics, berichtet die „Bild“-Zeitung. Der Veranstalter hat der Polizei bestätigt, dass sich B. angemeldet hat. Tritt dieser am Sonntag tatsächlich an, müssten auch seine beamteten Schattenmänner in den Fahrradsattel steigen.

Der entlassene Sextäter lebt auf einem ehemaligen Bauernhof im Stadtteil Moorburg, den die Stadt eigens für die Unterbringung ehemaliger Sicherungsverwahrter hatte umbauen lassen. In dem Gebäude ist auch Platz für die Polizisten und Sozialhelfer, die B. rund um die Uhr überwachen. Gegen diese Dauerbegleitung geht der Mann juristisch vor und hat in der ersten Instanz Recht bekommen. Das Verwaltungsgericht entschied, dass es für die Non-stop-Überwachung eines freien Bürgers keine ausreichende Rechtsgrundlage gebe. Weil die Innenbehörde gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt hat, bleibt es einstweilen beim Status Quo.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert