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Merkel und Steinbrück in Hamburg : Polit-Prominenz auf dem Kirchentag

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Politiker geben sich auf dem Kirchentag die Klinke in die Hand. Die Kanzlerin sieht die deutsche Energiewende als Vorbild für die Welt. Steinbrück nimmt die Finanzmärkte in den Blick.

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erstellt am 04.Mai.2013 | 12:55 Uhr

Hamburg | In Wahlkampfzeiten steht ein Bekenntnis zu Werten und Ethik gut zu Gesicht - und so mischen sich auf dem Kirchentag in Hamburg prominente Politiker unter die Gläubigen. Im Fokus dabei: Der Umgang mit der Umwelt und die Finanzmärkte - Themen, bei denen die Politik oft beim Wahlvolk aneckt.
So gab es ein vorgezogenes Kanzlerduell auf dem Kirchentag in Hamburg: Gut vier Monate vor der Bundestagswahl haben Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück das Protestantentreffen am Freitag als Podium genutzt und sich unter die Besuchermassen gemischt. Trotz schrumpfender Mitgliederzahlen gehören rund 60 Prozent der Deutschen einer der großen Kirchen an - Christen bleiben damit eine wichtige Wählergruppe. Auf der Kirchenbühne blieb der Vorwahlkampf zunächst zahm. Zwar tourten beide Spitzenkandidaten zeitgleich über das Gelände - zu einem Schlagabtausch kam es aber nicht, da beide unterschiedliche Hallen wählten.

Heimspiel für Pfarrerstochter Merkel


10.55 Uhr, Messehalle B5: Rund 7000 Menschen wollen die Kanzlerin bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Schöpfung in der globalisierten Welt" erleben. Als Merkel unter großem Applaus die voll besetzte Halle betritt, erheben sich viele und filmen und fotografieren mit Handys und Kameras. Der Besuch auf dem Glaubensfest mit mehr als 117.000 Dauerteilnehmern ist ein Heimspiel für die Pfarrerstochter Merkel. "Nicht nur weil es meine Geburtsstadt ist, ist Hamburg einfach eine tolle Stadt", sagt die 58-Jährige gleich zu Beginn ihres Vortrages.
Vor dem Kirchenvolk hält Merkel keine politische Grundsatzrede, vielmehr geht es ihr um Verantwortung für die nachfolgende Generation. Sie betont die Bringschuld zu zeigen, wie man Nachhaltigkeit und Wachstum zusammenbringt, und fordert eine effizientere Entwicklungshilfe. Immer wieder gibt es spontanen Applaus - etliche sind auch gekommen, um die Kanzlerin einmal live zu sehen.
Nach eineinhalb Stunden startet Merkel samt Tross zu einem Rundgang über das Gelände mit seinen zahllosen Ständen kirchlicher und sozialer Initiativen, Gruppen und Verbände. Unzählige umringen sie, geduldig posiert sie für ein Foto mit Besuchern, bleibt an mehreren Ständen stehen. Kirchentagshelfer sorgen aber dafür, dass ihr niemand zu nahe kommt.

"Steinbrück hat ja echt abgenommen"


12.30 Uhr, Steinbrück trifft in der Halle A4 ein, hält am Stand der Evangelischen Freiwilligen Dienste, schüttelt Hände und stellt Fragen. "Wir kriegen noch eine Debatte darüber, dass wir Diensten am Menschen eine höhere Wertschätzung geben müssen", meint er einige Schritte weiter bei der Evangelischen Jugendsozialarbeit. Am Stand des Bundesverbandes schwuler Führungskräfte bleibt Steinbrück ebenfalls stehen. Dann ist Navigationsgeschick gefragt, seine Begleiter lotsen ihn hintenherum, so dass er nicht vor dem CDU-Stand vorbeilaufen muss. "Halte klare Kante bei, verändere dich nicht, dann können wir noch gewinnen", ruft ihm ein älterer Besucher zu.
"Ich will hier niemanden instrumentalisieren", sagt Steinbrück beim Besuch der kirchlichen Stände. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung stößt er auf den SPD-Kollegen Kurt Beck - nach einem schnellen Kaffee im Stehen geht es weiter. "Der guckt ja wie im Fernsehen", sagt ein Besucher. "Steinbrück hat ja echt abgenommen", meint eine Frau mittleren Alters zu ihrer Begleiterin.
Zuschauerandrang und Heimspiel für den Kanzlerkandidaten dann am Stand der SPD: Nach einigen grundsätzlichen Worten zum Zusammenhalt der Gesellschaft und der Forderung nach Solidarität statt Ellenbogengesellschaft gibt es ein Gruppenfoto mit den Pfadfindern.
"Ein bisschen viel grün hier, aber sonst alles in Ordnung", lacht Steinbrück mit Blick auf die Farbe der Pfadfinderhemden, ehe er aus der Halle eilt. Merkel ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgereist.
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