Piraten-Prozess in Hamburg : Piraten-Prozess: Urteil am Freitag ist fraglich

Ob das Verfahren gegen die zehn angeklagten Somalier tatsächlich an diesem Freitag zu Ende geht, ist nicht sicher. Foto: dpa
Ob das Verfahren gegen die zehn angeklagten Somalier tatsächlich an diesem Freitag zu Ende geht, ist nicht sicher. Foto: dpa

2010 überfallen somalische Piraten einen Hamburger Frachter. Eigentlich sollte jetzt vor dem Hamburger Landgericht das Urteil gesprochen werden. Eigentlich.

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19. Oktober 2012, 11:38 Uhr

Hamburg | Ursprünglich war das Urteil in dem seit Jahrhunderten ersten Piratenprozess auf deutschem Boden für den 105. Verhandlungstag vor dem Hamburger Landgericht geplant. Doch ob das Verfahren gegen die zehn angeklagten Somalier tatsächlich an diesem Freitag zu Ende geht, ist nicht sicher, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Denn nachdem Plädoyers und Schlussworte der Angeklagten bereits gehalten waren, wurde am Mittwoch überraschend auf Antrag eines der Anwälte erneut die Beweisaufnahme eröffnet.
Hintergrund ist die Aussage eines Beschuldigten, über die Telefonnummer eines der Hintermänner des Piratenangriffs auf den Hamburger Frachter "Taipan" vom Ostersonntag 2010 zu verfügen. Der Anwalt eines weiteren Angeklagten beantragte nun, dieser Behauptung näher auf den Grund zu gehen. Sollte das Gericht dem Antrag folgen, könnte sich der bereits seit fast zwei Jahren laufende Prozess weiter in die Länge ziehen.
Piraten wurden gefangen genommen und nach Deutschland gebracht
Doch auch wenn der Antrag abgelehnt werden sollte, müssten die Plädoyers erneut gehalten und auch den Angeklagten erneut Gelegenheit für Schlussbemerkungen gegeben werden. Dies könnte jedoch durch Bezugnahme auf das vormals Gesagte deutlich verkürzt werden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den zehn Somaliern Angriff auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraub vor. Sie sollen Ostermontag 2010 den Hamburger Frachter "Taipan" vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Wenig später wurde die 15-köpfige Besatzung von einem niederländischen Marinekommando befreit. Die Piraten wurden gefangen genommen und später nach Deutschland gebracht.
"Wir maßen uns hier an, Recht zu sprechen"
Die Staatsanwaltschaft hat hohe Haftstrafen für die Angeklagten gefordert. Nach dem Willen der Anklage sollen die sieben erwachsenen Angeklagten zwischen 6 und 12 Jahren ins Gefängnis. Für die drei jüngsten Beschuldigten - sie fallen unter das Jugendstrafrecht - verlangte die Staatsanwaltschaft vier bis fünfeinhalb Jahre Haft. Die erwachsenen Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft, die drei jüngsten waren bereits im April auf freien Fuß gekommen.
Die Verteidiger verwiesen auf die Lage im Bürgerkriegsland Somalia. "Wir maßen uns hier an, Recht zu sprechen nach unseren deutschen Vorstellungen über Menschen, deren Lebenssituation wir nicht mal annähernd nachvollziehen können", sagte der Anwalt eines der jüngsten Beschuldigten, Rainer Pohlen. Zuvor hatte er die Einstellung des Verfahrens gefordert.

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