zur Navigation springen

Olympia-Bewerber 2024 : Olympiastadion statt Bananenkisten im Hamburger Hafen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Geht es nach dem Hamburger Senat, werden im Herzen des Hafens 2024 Olympische Spiele stattfinden. Die Ersatzflächen für Betriebe sind rar.

Hamburg | Es kracht, scheppert. Hier wird noch malocht. Auch wenn immer mehr Maschinen längst den Muskelschmalz ersetzen. Es ist der Kleine Grasbrook. Auf diesem 450 Hektar großen Gelände, umzingelt von der einzigartigen Kulisse der Hansestadt, sollen 2024 oder 2028 die Olympischen Spiele stattfinden, mitten im Herzen des Hamburger Hafens.

Die Fahrt hierher ist noch unwirtlich, aber spannend. Die Elbbrücken sind aus der Hafencity kommend passiert, nun geht es weiter südlich ins Zentrum des Geschehens: Containerwiesen, Kräne, riesige Industriehallen. Der Senat hat sich entschieden, in diesem von Wasser umgebenen Gelände, die Olympischen Spiele auszurichten, sollte die Hamburger Bevölkerung im Herbst ihre Einwilligung geben und das Internationale Olympische Komitee 2017 dann pro Elbmetropole votieren. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, doch Bürgermeister Olaf Scholz und Co. schnitzen bereits am internationalen Prestigeobjekt. Hierbei gilt das Konzept der kurzen, innenstadtnahen Wege. Wo sich heute Tausende Tonnen Bananenkisten stapeln, soll möglichst 2024 das schmucke Olympiastadion stehen, entlang der Kaimauern das Olympische Dorf.

Sollte das Vorhaben Olympia klappen, steht dem Senat und seinen Behörden eine logistische Herkulesaufgabe bevor. Zig Unternehmen sind hier angesiedelt. Besitzer des Grundstücks ist die städtische Hamburg Port Authority (HPA), die den Großteil wiederum an die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) verpachtet. Diese war lange in städtischer Hand, ist seit 2007 aber börsennotiert. Nun steht die Stadt unter Druck, muss für die HHLA adäquate Ersatzflächen finden. Diese müssen tief- und hochseeschifffahrtstauglich, das Ersatzgrundstück zudem see- und landseitig erschließbar sein. Große Pötte müssen entsprechend an den Kai-Anlagen anliefern können. Auch der Weitertransport über die Hinterlandanbindung muss reibungslos gewährleistet sein. „Die mit der Nutzung der Hafenflächen auf dem Kleinen Grasbrook erforderlichen Betriebsverlagerungen werden zum Anlass genommen, den Hafen zu entwickeln und zu modernisieren“, ist Senatskanzlei-Sprecher Jörg Schmoll aber optimistisch. Olympia könne damit einen zusätzlichen Schub für die Modernisierung des Hafens und für eine höhere Flächeneffizienz geben. Doch noch gibt es viel zu tun, für alle Beteiligten.

In der riesigen Lagerhalle mit dem 30 Meter hohen Vordach haben Generationen von Hafenarbeitern geschuftet, jetzt düsen ein paar Gabelstapler vorbei. Hier ist das Überseezentrum Projektlogistik, bald vielleicht der Ring für die Kugelstoßer und die Tartanbahn. Dort drüben erscheint die Silhouette der Elbphilharmonie, die irgendwann mal fertig sein soll, rechts daneben der Michel. Wir erreichen den O’Swaldkai. 1000 Leute arbeiten im Fruchtzentrum der HHLA. Hier, an der Südspitze soll die Olympiahalle entstehen, würden Handballer, Boxer und Turner um Medaillen ringen. Dort ist der Bananenschuppen, der größte Früchteumschlag Europas. Alleine 20.000 Tonnen pro Woche kommen aus Ecuador auf Riesenkähnen an. Dazu Zitrusfrüchte, Trauben, Äpfel aus Neuseeland. Hier könnten Dressurpferde 2024 Pirouetten drehen.

Logistik findet auf dem Kleinen Grasbrook in sehr großer Vielzahl statt. Adäquate Ersatzflächen gibt es indes nicht so viele. Beim Senat und den zuständigen Behörden rauchen die Köpfe, zeitnah soll eigens eine Olympia-Bewerbung-GmbH gegründet werden, in der die Organisation gebündelt wird. Knapp 2,2 Milliarden Euro sind für die olympischen Sportstätten vorgesehen. Die größten Investitionen sind für die kleine Elbinsel geplant: Neubau des Olympiastadions für 70.000 Menschen, Errichtung von Sport- und Schwimmhalle für je 15.000 und das Olympische Dorf.

„Die zentralen Wettkampfstätten sind vom Olympischen Dorf aus zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar“, untermauert Schmoll das Konzept. Auch die Medienzentren seien nah gelegen. „Unmittelbar nach den Spielen könnte die Umgestaltung in die OlympicCity starten. Es würde ein neuer, multifunktionaler Stadtteil von großer Attraktivität entstehen, der enorme Potenziale für die künftige Stadtentwicklung eröffnen würde“, ergänzt Schmoll. Doch bevor man planen kann, müssen die Ersatzflächen vorhanden sein. Sollen die Olympischen Spiele 2024 hier stattfinden, muss das Gelände bis spätestens 2020 geräumt sein. Betriebe müssen verlegt werden, dann folgt der Bau eines ganz neuen Dorfes in der Stadt. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben. 
 

zur Startseite

von
erstellt am 29.Apr.2015 | 10:11 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen