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Hamburger Sozialbehörde : Obdachlose Mutter darf ihr Baby nicht behalten

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Einer Lettin ist ihr frisch geborenes Baby weggenommen worden – weil sie in einer Hamburger Obdachlosen-Unterkunft lebt. Sie soll ihr Kind zurückbekommen, wenn sie Deutschland verlässt. Landespastor Dirk Ahrens: „Ein Unding!“

Hamburg | Die Hamburger Sozialbehörde hat einer obdachlosen Lettin fünf Tage nach der Geburt das Baby entzogen. Das berichtet die Obdachlosenzeitschrift „Hinz & Kunzt“. Der Mutter sei die Ausreise als Bedingung dafür genannt worden, dass sie ihr Mädchen wiederbekomme. Bis dahin dürfe sie es zweimal am Tag besuchen. Gegen die Frau gebe es keinerlei Vorbehalte, heißt es auf der Internetseite des Magazins. Sie sei weder alkoholkrank noch drogenabhängig oder psychisch krank.

Nach den Angaben hatte die junge Lettin, die mit ihrem Partner im Hamburger Winternotprogramm betreut wird, das Kind vor kurzem in einer Klinik entbunden. Als das Krankenhaus feststellte, dass die Eltern über keinen festen Wohnsitz verfügen, verständigte es die Behörden. Das Jugendamt betreut das Kind nun in einer Einrichtung des Jugend- und Kindernotdienstes. Für den evangelischen Landespastor Dirk Ahrens ein Unding: „Man kann Eltern nicht die Kinder wegnehmen, nur weil sie zu arm sind, um sich eine Unterkunft zu leisten.“ Die Stadt müsse sofort mit einer „angemessenen Unterkunft“ helfen.

Die Sozialbehörde bestätigt den Vorgang, weist die Vorwürfe aber zurück. „Wir durften das Baby gar nicht in der Obhut einer wohnungslosen Familie lassen“, sagt Sprecher Marcel Schweitzer. Diese lebe in einer sehr schlichten Unterkunft des Winternotprogramms – zusammen mit Alkoholikern und Junkies. Schweitzer: „Das ist kein Platz für einen Säugling. Wir haben eine Fürsorgepflicht für das Kind.“ Der Sprecher verweist auf den Fall der kleinen Yagmur, die trotz erheblicher Bedenken von Behörden in ihre Familie zurückgegeben wurde und dort mutmaßlich vom Vater zu Tode geprügelt wurde.

Laut Sozialbehörde hatte diese den werdenden Eltern vor der Geburt „unbürokratisch“ eine vorübergehende Unterkunft in einer städtischen Wohnung angeboten. Das Paar habe sich aber „wenig kooperativ“ verhalten und abgelehnt. Niemals hätten städtische Mitarbeiter das Baby als Druckmittel eingesetzt, um die Letten zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Gleichwohl, so der Sprecher, sei eine Ausreise die beste Perspektive. Schweitzer: „In Lettland hat die Familie einen Rechtsanspruch auf Sozialhilfe. Das ist in Deutschland nicht der Fall, weil die beiden hier nie gearbeitet haben.“

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erstellt am 20.Feb.2014 | 15:59 Uhr

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