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CSSB in Hamburg : Neues Forschungszentrum gegen tödliche Erreger

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf dem Desy-Gelände in Hamburg-Bahrenfeld wollen Wissenschaftler Viren, Bakterien und Parasiten atomgenau auf die Spur kommen - im Zentrum für strukturelle Systembiologie, kurs CSSB.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 08:19 Uhr

Hamburg | Von ihnen geht tödliche Gefahr für Menschen aus – und das in zunehmendem Maße. Doch mit bloßem Auge sind die Erreger von Infektionskrankheiten nicht zu erkennen und damit schwer zu erforschen. In Hamburg wollen Wissenschaftler künftig die Strukturen und Wirkungsweisen solcher Bakterien, Viren und Parasiten so gut durchschauen wie noch nie. Auf dem Gelände des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (Desy) in Bahrenfeld entsteht dazu ein „weltweit einzigartiges Zentrum zur Erforschung von Krankheitserregern“.

Der dreigeschossige Bau wird die Heimat des Zentrums für strukturelle Systembiologie (Centre for Structural Systems Biology, CSSB). 180 Wissenschaftler werden dort ab 2016 dank modernster Röntgen-Laser-Technologie in den Molekülen der mikroskopisch kleinen Infektionsträger lesen können wie in einem offenen Buch. Erklärtes Ziel ist es, die Angriffsmechanismen der tückischen Winzlinge zu enträtseln, um der Entwicklung maßgeschneiderter Medikamente den Weg zu bahnen.

„Die Bedeutung der Infektionsforschung nimmt in unserer globalisierten Lebenswelt stetig zu, sei es durch Reisen oder den intensiven Warenaustausch“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) gestern beim ersten Spatenstich auf dem Desy-Campus. Der Bund steuert rund drei Viertel zu den Investitionskosten von 50 Millionen Euro bei. Hamburg trägt 17 Prozent, Niedersachsen zehn.

Bakterien und Viren haben laut Wanka heutzutage deutlich mehr und schnellere Kontakt- und Verbreitungsmöglichkeiten als früher. „Nur wenn wir lernen, wie diese Krankheitserreger funktionieren, können wir uns effektiv vor ihnen schützen. Mit dem Neubau schaffen wir dafür beste Forschungsbedingungen.“

Das Team um CSSB-Task Force-Leiter, Prof. Chris Meier von der Uni Hamburg, erhofft sich Antworten auf Fragen wie diese: „Wie entert der Malariaparasit die roten Blutkörperchen?“ Dieses Zusammenspiel von Proteinen bei schweren Infektionen durch Viren, Bakterien und Parasiten ist der Wissenschaft weitgehend schleierhaft. Meier: „Das ist ein extrem komplexer Vorgang, an dem nicht nur ein einzelnes, sondern eine Vielzahl von Proteinen beteiligt ist, und bei dem noch viele grundlegende Fragen zu klären sind.“

In dem interdisziplinären Zentrum sollen elf Forschungsgruppen Infektionskrankheiten auf den Grund gehen und „fundamentale Prozesse der Zellbiologie auf molekularer Ebene aufklären“, so der Vorsitzende des Desy-Direktoriums, Prof. Helmut Dosch. Großer Vorteil sei der direkte Zugang zu den Desy-Forschungsanlagen Petra III und Flash, deren hochintensives Röntgenlicht Einblicke in die Nanowelt ermöglicht. Hinzu kommt der europäische Röntgenlaser-Tunnel XFEL zwischen Hamburg und Schenefeld (Kreis Pinneberg), der ebenfalls 2016 in Betrieb gehen soll.

Beteiligt am CSSB sind außer Desy und der Universität Hamburg auch das Bernhard-Nocht- und das Heinrich-Pette-Institut, die Uniklinik Eppendorf, das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung das Forschungszentrum Jülich, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie und die Medizinische Hochschule Hannover.

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