Fehler im Urteil : Neuer Prozess um den Tod der kleinen Lara Mia

Ab Dienstag stehen Lara Mias Eltern erneut vor Gericht. Sie waren verurteilt worden, weil sie ihre kleine Tochter haben verhungern lassen. Der BGH hob das Urteil auf.

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20. September 2011, 08:31 Uhr

Hamburg | Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil im Prozess um den Tod des stark unterernährten Babys Lara Mia im Mai aufgehoben hat, stehen die Mutter und deren Ex-Freund ab morgen wieder in Hamburg vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem versuchten Totschlag durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Lara Mia starb im Alter von neun Monaten.
Bei seinem Tod im März 2009 wog das Baby nur noch 4,8 Kilo - das Doppelte wäre normal gewesen. Die genaue Todesursache blieb allerdings unklar. Rechtsmediziner konnten auch einen plötzlichen Kindstod nicht ausschließen. Das Hamburger Landgericht hatte Lara Mias Mutter und ihren früheren Lebensgefährten im Juli 2010 zu Bewährungsstrafen verurteilt - wegen gefährlicher Körperverletzung und Verletzung der Fürsorgepflicht, die Mutter noch wegen Misshandlung. Die damals 19-Jährige erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, ihr drei Jahre älterer Ex-Freund eine Bewährungsstrafe von neun Monaten. Über Monate hätten sie nicht die Geduld aufgebracht, die Kleine ausreichend zu füttern, sagte der Vorsitzende Richter damals.
Die Staatsanwaltschaft sah das Urteil als zu milde an und legte Revision ein. Daraufhin hob der BGH das Urteil im Mai auf. Es müsse eine ganze Palette von Straftaten ins Visier genommen werden - von gefährlicher Körperverletzung bis zum Totschlag, hieß es in der Begründung.
Der Fall wird nun vor einer anderen Jugendschwurgerichtskammer in der Hansestadt verhandelt. Für den Prozess sind bisher zehn Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor November erwartet.

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