Johannes Kahrs : Neuer Eklat in Hamburgs SPD

Johannes Kahrs
Johannes Kahrs

Parteilinke setzen den Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs mit Kapp- Putschisten gleich. Und der umstrittene Strippenzieher wehrt sich gegen "Verschwörungstheorien".

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08. Januar 2009, 10:52 Uhr

Hamburg | Beim Streiten macht der Hamburger SPD so schnell niemand etwas vor: Im erbitterten Konflikt um die Wahl des Juso-Vorsitzenden Danial Ilkhanipour (27) zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis Eimsbüttel teilen Parteilinke jetzt auf beispiellose Weise gegen ihren Genossen, den Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (45), aus. In der Quartalszeitschrift "Wir in Stellingen" bezichtigen die Autoren den Parteirechten, ein "System Kahrs" aufgebaut zu haben und die örtliche SPD mit Hilfe angeworbener Jusos zu unterwandern. Wörtlich heißt es: "Tatsächlich handelt es sich bei der Kahrs-Truppe um einen Loyalitäts- und Karriereverein."

Heftig kritisiert wird in dem Beitrag auch die Mitgliedschaft Kahrs in der studentischen Burschenschaft Hamburger Wingolf, die 1920 beim Kapp-Putsch an der Seite der rechts-nationalen Aufständischen gestanden hatte. Reserveoffizier Kahrs dulde es, so heißt es in dem Parteiblatt, dass sich der Wingolf bis heute nicht von der Beteiligung am Putsch distanziere. Und weiter: "Ist es nicht eine Schande für die Hamburger Sozialdemokraten, dass solch eine Person den Wahlkreis August Bebels im Bundestag vertritt?"

Johannes Kahrs nannte die Vorwürfe "abwegig und grenzwertig". Er sprach von "Verschwörungstheorien". Der Beitrag überschreite "jede Form von politischer Kultur".

Hintergrund der Breitseite sind Vermutungen, Kahrs sei Drahtzieher der überraschenden Kandidatur Ilkhanipours gegen den bisherigen Eimsbüttler Abgeordneten Niels Annen (35). Ilkhanipour hatte seine Gegenkandidatur erst bekannt gemacht, als die Delegierten für die Wahlversammlung nominiert waren. Der Juso gewann die Abstimmung, das Annen-Lager tobt bis heute.
Verbissene Widersacher
Kahrs und Annen sind verbissene parteiinterne Widersacher. Als Sprecher des Seeheimer Kreises ist Kahrs ein exponierter Vertreter des rechten SPD-Lagers, Annen gilt als enger Vertrauter der linken Parteivize Andrea Nahles.

In der Hanse-SPD hat der bekennende Homosexuelle Kahrs den Ruf als eiskalter Strippenzieher längst weg. Zu Juso-Zeiten drangsalierte er eine Genossin mit anonymen Drohanrufen. Er wurde angeklagt und musste 800 Mark Geldbuße zahlen. Sein Verteidiger damals: Ole von Beust. Doch statt eines Parteirauswurfs erwartete den ehrgeizigen Juristen eine steile Karriere. Seit 1998 vertritt er den Kreis Mitte im Bundestag.

Lautstarke Kritik wegen möglicher Bestechung gab es, als Rüstungsfirmen ausgerechnet an Kahrs Parteikreis großzügig Spenden verteilten. Kahrs saß seinerzeit im Verteidigungsausschuss und hatte über Rüstungsprojekte mit zu entscheiden.

Das wurde dem 45-Jährigen ebenso wenig zum Verhängnis wie seine Rolle beim Sturz des Hamburger SPD-Chefs Mathias Petersen. Kahrs gehörte zu den "Kreisfürsten", die den designierten Bürgermeisterkandidaten aus dem Amt drängten, die Partei dabei aber so beschädigten, dass die Bürgerschaftswahl 2008 für die SPD erneut in der Opposition endete.

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