CDU Hamburg : Neuanfang nach dem Wahlfiasko

Marcus Weinberg Foto: dpa
Marcus Weinberg Foto: dpa

Kleiner Parteitag an der Elbe: Die Hamburger Union wählt Marcus Weinberg zum Vorsitzenden. Er löst Frank Schira ab und muss die frustrierte Partei wieder aufrichten.

Avatar_shz von
16. Juni 2011, 10:04 Uhr

Hamburg | Marcus Weinberg soll Hamburgs CDU aus dem Tal der Tränen führen. Ein Kleiner Parteitag hat den 44-Jährigen gestern Abend erwartungsgemäß zum neuen Landesvorsitzenden der Elb-Union gewählt. Allerdings begann die Mission Wiederaufbau für den Bundestagsabgeordneten aus Altona mit einem Dämpfer. Für ihn stimmten lediglich 133 von 198 Delegierten, obwohl er ohne Gegenkandidaten angetreten war. Weinberg hatte sich zuvor im ersten Mitgliederentscheid der Landespartei klar durchgesetzt. Der gelernte Lehrer löst Frank Schira ab, der nach der krachenden Wahlniederlage vom 20. Februar seinen Rückzug angekündigt hatte.
Der neue Parteichef muss versuchen, seine tief frustrierte Partei wieder aufzurichten. Bei der Bürgerschaftswahl waren die Christdemokraten auf den historischen Tiefstand von 21,9 Prozent der Stimmen gestürzt und hatten nach fast zehnjähriger Herrschaft die Macht eingebüßt. Laut aktueller Umfrage ist sie in der Wählergunst inzwischen sogar 20 Prozent abgesackt.
"Wir sind nicht konservativ oder liberal. Wir sind konservativ und liberal."
In seiner Bewerbungsrede betonte der Hoffnungsträger, dass er nicht an eine umgehende Wiederauferstehung der Hanse-Union glaube. "Wir werden längere Zeit brauchen, um aus dem Tal heraus zu kommen." Gelingen soll das unter seiner Führung durch eine inhaltliche wie organisatorische Runderneuerung. Weinberg kündigte an, eine "Zukunftskommission" für die "strategische Neuausrichtung" einzusetzen. Die Leitung des Gremiums soll die ehemalige Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach übernehmen.
In einer routinierten, aber wenig glanzvollen Rede schlug Weinberg erste Pflöcke für den neuen Kurs ein. Er wolle und werde die Parteibasis stärker beteiligen. Mindestens zweimal im Jahr soll es ein großes Mitgliederforum geben. Zur bundesweiten Diskussion um die inhaltliche Grundausrichtung der CDU sagte Weinberg: "Wir sind nicht konservativ oder liberal. Wir sind konservativ und liberal." Markenkern bleibe dabei das christliche Menschenbild. In Hamburg müsse die Partei ihre Kernkompetenzen "Wirtschaft, Sicherheit und Finanzen" wieder stärker betonen.
Lediglich am Rand ging der neue CDU-Vorsitzende auf die Ursachen für das Fiasko vom 20. Februar ein. Die CDU habe es versäumt, ihre Mitglieder vor Bildung der schwarz-grünen Koalition einzubeziehen, räumte der 44-Jährige ein und gestand: "Das war auch ein Fehler von mir." Mit keinem Wort erwähnte er dagegen die harten parteiinternen Auseinandersetzungen um das längere gemeinsame Lernen ein. Als einer von wenigen führenden CDU-Funktionären hatte Weinberg bis zuletzt für die von der GAL gewünschte Primarschule gekämpft.
(mlo, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen