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Autobahn-Ausbau : Nach Lkw-Unfällen: Mehr Tempo-Kontrollen in A7-Baustellen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei große Unfälle in zwei Tagen: In Hamburg zeigt sich das Chaos-Potenzial des A7-Ausbaus – das hat Konsequenzen.

Hamburg | Zwei Vollsperrungen und jeweils 15 Kilometer Stau. In Hamburg hat die A7-Baustelle erstmals ihr Chaos-Potential offenbart. Jetzt warnen Experten: Trotz vorbildlicher Planungen, werde der Verkehr bei Unfällen immer wieder zusammenbrechen.

Es ist das größte deutsche Autobahnprojekt der Gegenwart und in Hamburg besonders komplex. Dort werden drei Deckel (Schnelsen, Stellingen und Altona) mit insgesamt 3500 Metern Länge über die Autobahn gelegt, gleichzeitig wird sie auf acht Spuren verbreitert. Der Verkehr muss dabei weiterlaufen, denn mit täglich 150.000 Fahrzeugen gehört der Abschnitt zwischen dem Elbtunnel und dem Dreieck Nordwest zu den meistbefahrenen Autobahnteilstücken Deutschlands. „Es wird eine Operation am offenen Herzen“, sagt Hamburgs Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof.

Nun gab es die ersten Infarkte. Vor der Abfahrt Volkspark ist am Mittwoch ein Kühltransporter mit Fisch in eine provisorische Betonabsperrung gefahren. Die Betonteile flogen auf die Gegenfahrbahn, durch Diesel wurde die Fahrbahn verschmutzt. Gut 24 Stunden zuvor war bei Stellingen ein Sattelzug mit Küchenmöbeln im Baustellenbereich von der Fahrbahn abgekommen und umgekippt. In beiden Fällen musste die Autobahn in Richtung Norden voll gesperrt werden. Den Küchen-Laster konnte erst ein Kran wieder aufrichten.

Für die langen Staus nach diesen Unfällen sei nicht allein die Verkehrsdichte verantwortlich, sagt ADAC-Verkehrsexperte Carsten Wilms. „Hamburg ist die einzige Metropole, die keinen geschlossenen Autobahnring hat. Damit gibt es nach einem Unfall keine Möglichkeit auszuweichen. Es bleibt nur die Innenstadt, die aber schnell überlastet ist.“ Bei Unfällen mit Sattelzügen ist nach Einschätzung des ADAC ein Kollaps nahezu unvermeidlich. „Ein Auto ist zügig abgeschleppt“, sagt Wilms. „Lkw-Bergungen sind schwieriger, weil oft ein mobiler Kran gerufen werden muss, der teilweise nur über die Gegenfahrbahn anfahren kann.“ Liefen Flüssigkeiten aus oder komme es sogar zu einem Unfall einem Gefahrguttransporter, müssten neben den Feuerwehren Reinigungsfahrzeuge angefordert werden, die lange Anfahrtswege hätten. „Das Ziel muss deshalb sein, in dieser Baustelle Unfälle zu vermeiden“, mahnt Wilms.

Verantwortlich für das Projekt ist auf Hamburger Gebiet die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH). Sie setzt auf mehrere Strategien zur Unfallvermeidung: Trotz der Arbeiten soll es weiter sechs Spuren geben. Damit entfällt das Reißverschlussverfahren vor der Baustelle. Die Ersatzspuren sind außerdem mit 3,25 Meter breiter, als der Gesetzgeber vorschreibt. Gleiches gilt für provisorische Auf- und Abfahren, die statt der vorgeschriebenen 70 Meter 250 Meter lang sind. Es gilt überall Tempo 80, vor Verschwenkungen und vor Auffahrten sogar Tempo 60. Deges-Sprecherin Etta Weiner: „Wir bereiten auch eine Baustellenüberwachung per Video vor. Ein Störfallmanagement soll dann sofortigen Zugriff auf Abschleppwagen haben.“

„Will die Polizei Unfälle vermeiden, muss sie regelmäßig blitzen“, betont Wilms. Tanja von der Ahé, Polizeisprecherin in Hamburg, sagte gestern: „Wir werden in Kürze mit der Verkehrsüberwachung im Baustellenbereich beginnen.“

Gebaut wird bis 2022. „Auf den Nahverkehr umzusteigen, ist also eine gute Idee“, so Verkehrsexperte Wilms. Zum Beispiel auch für Gesundheitsministerin Kerstin Alheit (SPD), die in Hamburg wohnt, nach Kiel pendelt und dort Mittwoch zu einem Termin eine halbe Stunde zu spät kam.

Noch mehr Infos zum A7-Ausbau gibt es hier.

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erstellt am 09.04.2015 | 17:30 Uhr

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