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Urteil in Hamburg : Mutter erstochen - Sieben Jahre Haft

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Nach jahrelangen Konflikten ersticht ein 30-Jähriger aus Hamburg seine Mutter mit einem Taschenmesser. "Sie hatte in erster Linie nur Spott für ihn übrig", sagt der Staatsanwalt. Das Landgericht verurteilt den Angeklagten wegen Totschlags.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 09:17 Uhr

Hamburg | Nach wuchtigen Todesstichen auf seine Mutter muss ein Angeklagter aus Hamburg für sieben Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte den 30-Jährigen am Mittwoch wegen Totschlags. Die Richter gingen davon aus, dass der Mann bei der blutigen Messer-Attacke erheblich vermindert schuldfähig war. "Ohne diesen Zustand hätte es diese Tat nicht gegeben", sagte der Vorsitzende Richter Gero Nix in der Urteilsbegründung.
Der Angeklagte hatte vor Gericht eingeräumt, die 51-Jährige nach jahrelangen Konflikten in ihrer Wohnung in Hamburg-St. Georg mit einem Taschenmesser getötet zu haben. Er wünsche sich, alles ungeschehen machen zu können. "Wir nehmen Ihnen ab, dass das Geständnis von Reue getragen ist", sagte Nix. Ein Gutachter hatte dem 30-Jährigen eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung bescheinigt.

Psychische Ausnahmesituation

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf neun Jahre Haft. Der depressive Mann habe seinen Selbsthass auf seine Mutter ausgeweitet und sie für seine unerträgliche psychische Situation verantwortlich gemacht, erklärte der Vertreter der Anklage. Die Verteidigung wertete die Tat dagegen als minder schweren Fall und forderte höchstens sechs Jahre Gefängnis. Der 30-Jährige sei in einer "psychischen Ausnahmesituation" gewesen. Der Anwalt verlangte zudem, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufzuheben, damit dieser möglichst schnell mit einer Therapie beginnen könne. Das Gericht lehnte das jedoch ab, der Angeklagte bleibt in Haft.
Nach Darstellung des 30-Jährigen hatte er seiner Mutter Mitte Februar einen Abschiedsbrief gezeigt, in dem er ankündigte, sich wegen seiner "hoffnungslos gescheiterten Existenz" das Leben zu nehmen. Er habe jedoch gehofft, die 51-Jährige würde ihre Mitschuld an der Situation einräumen. "Sie nahm seine Tötungsabsicht aber nicht ernst", sagte der Staatsanwalt. "Sie hatte in erster Linie nur Spott für ihn übrig." Mit dem Taschenmesser habe der Angeklagte ihr schließlich zahlreiche Stiche versetzt.

"Deponie für seelischen Sondermüll"

Der Verteidiger beschrieb die Tat als "grausames Ende eines Mutter-Sohn-Konflikts". Die Frau, die von Außenstehenden als herzlich und emotional geschildert worden sei, sei ihren beiden Söhnen gegenüber dominant, fordernd, angsteinflößend und sarkastisch gewesen: "Es wurde mit Liebesentzug gearbeitet, mit Abwendung, mit vollständigem Ignorieren." Vor den tödlichen Stichen habe sie ihren Sohn als "Versager" bezeichnet und gesagt, sie wünschte, sie hätte seinen Vater nie getroffen. Damit habe sie ihn enorm gekränkt: "Sie wusste, was sie tat."
Auch Richter Nix sagte, das Opfer habe "zur Tat einen gewissen kausalen Beitrag geleistet". Er betonte aber auch, wie sehr die 51-Jährige bei dem Messer-Angriff leiden musste: "Das waren verschiedenste, schlimme Verletzungen über einen längeren Zeitraum. Es hat sich schmerzvoll hingezogen." Nix las Passagen aus dem "Abschiedsbrief/Testament" des 30-Jährigen vor. Das Leben sei eine "perfide Qual", heißt es darin. Und: Seine Mutter habe ihn "als Deponie für ihren seelischen Sondermüll missbraucht". Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

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