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„Mogo“ in Husum und Hamburg : Motorradsaison 2015 startet: ADAC warnt vor Unfällen

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Die Fahrer gehen ihrem oft lauten und riskanten Hobby nach - und vielen anderen Menschen damit auf die Nerven.

Hamburg | Alle Biker sind schon da? - Als ein erfreuliches Zeichen des Frühlingsbeginns sieht kaum ein Autofahrer oder Stadtbewohner die Rückkehr der Motorradfahrer auf die Straße. Viele reagieren genervt auf die rasenden, lärmenden Zweiradfahrer, die meist nur zum Spaß über die Elbchaussee und andere Straßen der Hansestadt brausen. Je schöner das Wetter, umso zahlreicher die Biker - und die Unfälle. Im vergangenen Jahr starben laut Unfallstatistik zehn Motorradfahrer auf Hamburgs Straßen, bei 38 Verkehrstoten insgesamt. Im Jahr davor waren acht tote Biker zu beklagen, bei insgesamt 26 tödlich verunglückten Menschen.

Ist Motorradfahren also gefährlich? Ja, sagt Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa. Hauptunfallursachen seien überhöhte Geschwindigkeit und ungenügender Sicherheitsabstand. Aber Autofahrer hätten oft eine Mitschuld. Typisch seien Fehler beim Linksabbiegen. „Bei diesem Unfallszenario kommen meist zwei Faktoren zusammen: zum einen der Vorfahrtsfehler des Autofahrers, zum anderen ist es leider in vielen Fällen auch so, dass der Motorradfahrer sehr schnell unterwegs war“, erklärt Hieff.

Und warum müssen Motorräder so viel Krach machen? Der ADAC-Sprecher hat dafür eine psychologische Erklärung: Für viele Motorradfahrer sei das Erlebnis der Maschine ein Teil des Vergnügens. „Das heißt also, dass sie Herr über die Maschine sind und das Motorrad sich als Verlängerung ihres Selbst darstellt, das besonders stark und kraftvoll ist“, sagt Hieff. Für manchen gehöre „ein guter Sound“ dazu. Einige Biker verstünden darunter aber Lautstärke, was gerade in Innenstädten nicht sehr solidarisch mit den Anwohnern sei.

Auch wenn Motorradfahrer beim Anfahren ein blaues Band aus Abgasen hinterlassen, finden das Frühlingsgenießer gar nicht schön. Doch Motorräder sind im Vergleich zu Autos umweltfreundliche Fahrzeuge, sagt Hieff. Kleinere Maschinen kämen mit drei bis vier Litern auf 100 Kilometer aus, deutlich weniger als ein Auto, in dem meist auch nur ein Menschen sitzt. Klar ist aber auch: „Die Entwicklung bei Motorrädern ist nicht so ausgelegt wie bei Autos, dass wir da um jedes Gramm CO2 kämpfen.“

Wer fährt eigentlich Motorrad? Meist nicht mehr ganz junge Männer, „Ü40“, wie der ADAC-Sprecher sagt. Sie haben genug Geld für das nicht ganz billige Hobby und prägen den Trend zu schwereren Maschinen. Die Wahl des Motorrads - ob Touren-, Sportmaschine oder etwa eine Harley Davidson - sei für sie ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit. „Ein Motorrad ist vielleicht das emotionalste Gefährt, das man sich zulegen kann.“

Mit besonderem Wohlwollen der Verkehrspolitik können die Spaßbiker derzeit in Hamburg nicht rechnen. SPD und Grüne verhandeln über neue Busspuren, Bahnlinien und Fahrradwege. Die Grünen, die Motorradgroßveranstaltungen in der Vergangenheit eher kritisch sahen, erkennen vor der erwarteten Regierungsbeteiligung immerhin an: „Motorräder gehören zum Fahrzeugmix auf unseren Straßen dazu.“ Angesichts der vielen Unfälle erinnert der Verkehrsexperte Till Steffen aber zugleich an die Empfehlung der evangelischen Kirche: „Fahre nie schneller als dein Schutzengel fliegen kann.“

Die Nordkirche kümmert sich um die Biker, und zwar mit so großem Erfolg, dass keine Kritik in der sehr umweltbewussten Landeskirche an den rund 25 Motorradgottesdiensten im Jahr laut wird. Zu dem mit Abstand größten „Mogo“ im Hamburger Michel werden im Juni wieder Zehntausende Besucher erwartet. „Wir erreichen ganz viele Menschen, die wir sonst nicht im Rahmen der Kirche begrüßen dürfen“, sagt der neue Mogo-Pastor Lars Lemke. Auch Motorradfahrer mit einer „rauen Schale“ verspürten eine Sehnsucht nach Segen und bekämen bei den Fürbittegebeten feuchte Augen. Lemke feiert Ostersonntag bereits einen ersten „Mogo“ in Husum. „Aufbruch ins Leben“ heißt das Motto.

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erstellt am 29.Mär.2015 | 13:42 Uhr

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