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Joachim Bliese unter der Nachtmütze : Molière am Ohnsorg: Beifall für „Krank un kregel“

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In der skurrilen Komödie „Krank un kregel“ spielt Gasstar Joachim Bliese den „eingebildeten Kranken“.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 13:34 Uhr

Hamburg | Er dürfte der Traum der Pharmaindustrie sein. Im verschnörkelten Kopfteil seines Bettes, in dem er sich in langem Hausmantel und Strickmütze vorzugsweise aufhält, hortet der ältliche, wohlhabende Bürger August (Joachim Bliese) Tablettenpackungen, Pillen und Medizinfläschchen en masse. Doch nicht nur dem Aftheker (Apotheker) Bloomsaat (Dieter Schmitt) ist August eng verbunden. Seine hübsche Tochter Angelika (Birthe Gerken) will er mit dem unbedarften Thomas Schietenhild (Benjamin Beckmann) verheiraten, nur weil der Arzt ist. Und er bemerkt gar nicht, dass seine pompöse zweite Frau Bertha (Beate Kiupel) ohnehin nur auf sein Ableben -sprich Erbe - wartet.  

Molière am Hamburger Ohnsorg-Theater: Als „Krank un kregel“ feierte dessen Komödienklassiker „Der eingebildete Kranke“ von 1673 am Sonntagabend erste Premiere der Spielzeit 2014/15. Das Publikum beklatschte die überwiegend historisierende Inszenierung von Frank Grupe, die sich als amüsantes, wenn auch nur moderat temperiertes Volkstheater „op platt“ in prachtvoller Ausstattung durch Félicie Lavaulx-Vrécourt präsentierte.

Launig und skurril verkörperten elf gut aufgelegte Darsteller Macken und Egozentrik ihrer jeweiligen Zunft, wobei deren Aktualität auch nach 350 Jahren kaum etwas zu wünschen übrig lässt. Am Ende ist es das selbstbewusste Dienstmädchen Stine (Birte Kretschmer), das mit seinen Streichen das Schlimmste verhindert. In all dem Treiben zeichnet Bliese seine Titelfigur eher verhalten, verleiht ihr eine Vielzahl fein ausdifferenzierter Leidensmienen.

Es ist nicht das erste Mal, dass in dem Theater, das früher vor allem Bauernschwänke zum Besten gab, Weltliteratur auf die Bühne kommt - Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ und Arthur Millers „Der Tod eines Handlungsreisenden“ seien als Beispiele für die neuen Wege des derzeitigen Intendanten Christian Seeler genannt.

Wie gut gerade Molières letztes Stück und das Haus am Heidi-Kabel-Platz zusammenpassen, hätten sie bereits beim Übertragen aus dem Französischen bemerkt, berichteten die Übersetzer Peter Nissen und Hartmut Cyriacks. „Der eingebildete Kranke ist ein Volksstück mit Typen, wie wir sie in vielen, vielen Ohnsorg-Stücken finden. Es ist Volkstheater im besten Sinne - von der Struktur her eigentlich ein Schwank“, erklärten beide.

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