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Mörderisches zwischen den Meeren

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Eine Italienerin ermittelt auf Sylt, in Wacken ist die Hölle los / Und überhaupt: Kommissare habens schwer mit dem Liebesleben

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

KIEL / WACKEN | Ob es nun ein sonniger Tag am Strand von Aschau bei Eckernförde ist oder eine Fete auf einer Wiese bei Wacken, ob man einem Kurkonzert auf Sylt lauscht oder im nordfriesischen Fredenbüll Schafe zählt - friedlich ist es im Norden nur auf den ersten Blick. Der Tod lauert überall. Im Land zwischen den Meeren ist Mord keine Seltenheit - jedenfalls literarisch.

Tausende Besucher aus aller Welt verwandeln das Dorf Wacken jedes Jahr in die Hauptstadt der Metal-Szene. Doch Vorsicht: Ein Serienmörder sucht unter den friedlichen Fans nach seinem Opfer. Ein heikler Einsatz für Oberkommissarin Lyn Harms von der Kripo Itzehoe und ihre Kollegen: Sie wollen den "Tod in Wacken" verhindern.

Autorin Heike Denzau aus Wewelsfleth hat mit ihrem Buch beachtlichen Erfolg. Mehr als 10 000 Exemplare wurden seit März verkauft. Kein Wunder, denn es ist ihr hervorragend gelungen, die Atmosphäre des Festivals einzufangen. Ein Thriller ist ihr Krimi allerdings nicht. Sie lässt es langsam angehen; ihre Kripobeamten sind erfrischend normal. Lyn Harms ist Mutter von zwei Töchtern, mit einem Kollegen liiert und hat die Probleme jeder berufstätigen Mutter: Job und Privatleben in Einklang zu bringen. Lyn Harms ist aber auch mutig - neudeutsch: taff.

Das Liebesleben von Polizisten ist kompliziert. Die Kommissare sind geschieden, getrennt lebend oder Single. Entspannung bei der Kieler Woche ist angesagt, als sich der Kieler Kommissar Frank Reuter und seine Ex-Frau wieder langsam näher kommen. Aber auch hier kennt der Mörder keine Gnade: Ein Toter treibt im Regatta-Feld. Die Kieler Woche ist eine tolle Kulisse für einen Krimi. "Mordsregatta" stammt aus der Feder des Hohenwestedter Autors Harald Jacobsen.

Ein produktiver und erfolgreicher Autor aus dem Lande ist Hannes Nygaard. Er schickt seinen LKA-Kriminalrat Dr. Lüder Lüders dieses Mal auf eine "Fahrt zur Hölle". Das Containerschiff "Holstenexpress" ist entführt worden. Lüders fliegt nach Afrika, um ohne großes Aufsehen zu ermitteln. Wieder hat Nygaard sehr gut recherchiert. Seine Beschreibungen von Interna der Marine und maritimen Details sind ausgesprochen stimmig.

Nicht immer sind es die Kommissare, die den Fall lösen. Wenn sich Reiche und Schöne, Promis und Möchte-Gern-Promis auf Sylt versammeln, dann wäre es fast ein Wunder, wenn es hier keine Verbrechen aufzuklären gäbe. Mamma Carlotta ist zum wiederholten Male aus dem warmen Italien aufs stürmische Sylt gekommen, um ihren Schwiegersohn und die Enkel zu besuchen. Ihr "Kurschatten" ist von der unheimlichen Art. Gisa Pauly ist es erneut gelungen, die sympathische wie resolute Italienerin in eine ebenso unterhaltende wie aktuelle und spannende Geschichte zu verstricken.

Haarig ist dagegen der Fall, den Eva Ehleys Kommissare lösen müssen: eine Tote im Strandkorb und eine verschwundene Frau - beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Und die "Männer schweigen".

Anders bei Sina Beerwald. Sie stammt aus Stuttgart und lebt seit Jahren als selbstständige Autorin auf der Insel. Nach vier historischen Romanen wechselte sie ins Krimi-Genre - und nun schickt sie Tiere auf Verbrecherjagd: "Mordsmöwen".

Schafe spielen eine große Rolle im fiktiven nordfriesischen Fredenbüll. Davon gibts nämlich mehr als Menschen. Die Ur-Einwohner sind eine skurrile Spezies und lieben "Rote Grütze mit Schuss", die Heike im Imbiss "Die Hidde Kist" kredenzt. Es gibt einen leicht überforderten Dorfpolizisten, einen toten Biobauern und etliche Verwicklungen.

In Eckernförde ist es nicht der Bauer, sondern der Bootstouren-Veranstalter Lars Martens, dessen Ableben es aufzuklären gilt. Der "Tod am Strand" - genaugenommen am Nacktbadestrand von Aschau - hat seine Auswirkungen bis Sehestedt und Dänemark. Der erste Krimi des Autorenduos Arnd Rüskamp und Hendrik Neubauer bietet so viel Lokalkolorit wie kein anderes der genannten Bücher, außerdem ein Ermittler-Duo und die Erfindung eines Events: Der im Buch beschriebene Gumm-Prix wurde in diesem Jahr tatsächlich in Eckernförde veranstaltet.

Auf Verbrecherjagd gehen übrigens ein lediger Kommissar und eine pensionierte Richterin - "Rasmussen und die Brix" - die auch eine eigene Facebook-Seite aber nichts miteinander haben.

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