zur Navigation springen

Investor-Pläne : Modernes Kulturzentrum in der „Roten Flora“

vom

Linksautonome besetzen die „Rote Flora“ im Hamburger Schanzenviertel. Damit soll es bald vorbei sein: Der Hausbesitzer plant ein modernes Kulturzentrum. Die Besetzer finden das grotesk.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2013 | 14:46 Uhr

Hamburg | Die von Linksautonomen besetzte „Rote Flora“ im Hamburger Schanzenviertel soll nach dem Willen des Besitzers Klausmartin Kretschmer zu einem sechsstöckigen Kulturzentrum mit Konzerthalle ausgebaut werden. Pläne, das Haus an die Stadt zurückzuverkaufen, seien vom Tisch, sagte Kretschmers Immobilienberater Gert Baer am Samstag. Die Pläne beinhalten laut Baer einen Konzertraum für bis zu 2500 Besucher, ein Bürgerhaus, eine Kita, einen Jugendtreff und eine Tiefgarage.

Die Besetzer bezeichneten die Pläne als grotesk, die Investoren würden Schiffbruch erleiden, hieß es auf dpa-Anfrage. „Nach 24jähriger nichtkommerzieller Nutzung des Hauses als besetztes politisches Projekt, steht dessen Fortbestand nicht im Ansatz zur Disposition.“ Die Linksautonomen hatten in der Vergangenheit immer wieder betont, das Haus als besetztes kulturelles Zentrum mit allen Mitteln verteidigen zu wollen.

Er habe am Freitag beim zuständigen Bezirksamt Hamburg-Altona einen Vorbescheidsantrag gestellt, um zu erfragen, unter welchen Bedingungen der Ausbau realisiert werden könne. Zuvor hatte das „Hamburger Abendblatt“ über den neuen Antrag berichtet.

Die Behörde und die Aktivisten waren am Samstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Linksautonomen hatten jedoch immer wieder betont, das Haus als besetztes kulturelles Zentrum mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Die seit mehr als 20 Jahren besetzte „Rote Flora“ - ein ehemaliges Theater - steht immer wieder im Zentrum von Ausschreitungen.

Kretschmer hatte das Gebäude 2001 für umgerechnet knapp 190.000 Euro gekauft. 2011 kündigte er an, das 1770 Quadratmeter große und inzwischen wohl millionenteure Grundstück samt „Roter Flora“ wieder verkaufen zu wollen - danach wurde es still. Im August 2013 kamen dann wieder Verkaufsgerüchte auf.

Vorwürfe, der Besitzer Kretschmer wolle mit dem Vorbescheidsantrag nur den Verkaufspreis für Grundstück und Gebäude in die Höhe treiben, kann Baer nicht nachvollziehen. „Wir ziehen jetzt den Plan mit dem Kulturzentrum durch, ein Verkauf steht nicht mehr zur Debatte“, sagte Baer. Er rechne damit, dass die Besetzer den Plänen für ein neues Kulturzentrum zustimmen. „Wir wollen die Betroffenen einbeziehen und sind zu Gesprächen bereit.“ 

Nach dem Wunsch Kretschmers, der den Angaben zufolge Hilfe von einem amerikanischen Investor bekommen würde, sollen die Fassade des historischen Gebäudes sowie die Innenräume erhalten bleiben. Das 1888 errichtete Haus soll auf sechs Stockwerke erhöht sowie nach rechts und links erweitert werden. Mitgliedern der linksautonomen Szene will Kretschmer nach Angaben seines Immobilienberaters Räume zu günstigen Konditionen anbieten. Der Stadtverwaltung sind die Erweiterungspläne laut Baer seit einem Dreivierteljahr bekannt. Das Bezirksamt sei aber für eine kleinere Lösung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen