Maikrawalle in Hamburg : Mit Videos: Böller und Steine gegen Wasserwerfer und Pferde

Bei Ausschreitungen während der Mai-Demos in Hamburg werden mehrere Polizisten verletzt. shz.de-Videoreporter Peter Wüst war vor Ort.

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02. Mai 2015, 09:06 Uhr

Hamburg | Die Gewaltausbrüche sind längst schon zum bitteren Ritual geworden. Einmal mehr standen sich am 1. Mai Krawall-Demonstranten und die Polizei gegenüber. Um den eigentlichen Sinn des Tags der Arbeit gibt es dabei weniger - womöglich kennen den einige nicht einmal. Stattdessen geht es um das Ausleben von Wut und roher Gewalt. Den Adrenalinkick.

Die Wut der Demonstranten entlädt sich bei zwei „revolutionären“ Mai-Demonstration in Hamburg und zwar einmal mehr gegen die Polizei. Nach Angaben der Polizei warfen Demonstranten auf St. Pauli und in Altona Böller und Gegenstände auf die Beamten. Mehrere Polizisten seien verletzt worden und es habe Festnahmen gegeben, sagte Polizeisprecher Holger Vehren. Genauere Angaben konnte er noch nicht machen.

 

Die Polizei hatte den Zug auf St. Pauli mit etwa 700 Menschen aus dem linken Spektrum schon wenige Meter nach Beginn gestoppt, weil sich Teilnehmer vermummt hatten. Wegen fortgesetzter Straftaten aus dem Aufzug heraus wurde die Versammlung kurze Zeit später aufgelöst. Die Polizei setzte dabei auch eine Reiterstaffel ein. Doch einige Krawallbereite lassen sich auch nicht von den Tieren beeindrucken. Pferde schrecken zurück, als ihnen ein Brandsatz entgegen geworfen wird.

Vom Bahnhof Altona marschierten bis zu 1000 weitere Menschen aus dem linken Spektrum los. Auch hier wurden gleich zu Beginn des Marsches Feuerwerkskörper gezündet und Gegenstände auf Polizisten geworfen. Auf der Königstraße setzten die Beamten Wasserwerfer ein.

Auf anderen Demonstrationszügen ging es vergleichsweise friedlich zu. Bereits am Nachmittag hatten mehrere tausend Menschen in Hamburg gegen die Flüchtlingspolitik des Senats demonstriert. Die Polizei zählte etwa 3800 Teilnehmern, die Veranstalter vom Bündnis „Recht auf Stadt“ sprachen von mehr als 7000 Demonstranten. Auf dem Zug durch St. Pauli kam es bis auf ein paar Böllerwürfen zu keinen erwähnenswerten Zwischenfällen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Kundgebung unter dem Motto „Never mind the papers“ richtete sich vor allem gegen die Flüchtlingspolitik des rot-grünen Senats. „Wir wollen, dass Menschenleben mehr zählen als irgendwelche Papiere“, erläuterte ein Redner das Motto. Die Kundgebung begann am Millerntorplatz. Statt eine Schweigeminute für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge einzulegen, machten die Demonstranten um Punkt 15 Uhr „ordentlich Krach“.

Am Mittag hatten in Hamburg mehrere tausend Menschen an den Gewerkschaftskundgebungen teilgenommen, darunter auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach von mehr als 5000 Teilnehmern in der Innenstadt sowie 700 in Bergedorf und 500 in Harburg. Die Polizei ging von 4000 Demonstranten in der City aus und sprach von einem friedlichen Verlauf.

Die Hamburger DGB-Chefin Katja Karger forderte bei der Hauptkundgebung auf dem Fischmarkt mehr Solidarität mit den Streikenden der Hamburger Kitas und Sozialeinrichtungen.

Vor den Demonstranten sprach auch der 92 Jahre alte griechische Politiker und Journalist Manolis Glezos, der im Zweiten Weltkrieg in seiner Heimat Ruhm erlangte, weil er im Mai 1941 die Hakenkreuzfahne von der Akropolis herunterholte.

shz.de-Videoreporter Peter Wüst filmt während der Mai-Demonstrationen in Hamburg. Er stellt seine Aufnahmen chronologisch zusammen - und zeigt, wie aus Protest Krawall wird.

 

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