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Gymnasium Bondenwald : Missglückter Abi-Streich – Übelkeit durch Hysterie?

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Abi-Streich am Gymnasium Bondenwald in Hamburg-Niendorf wird abgebrochen. 45 Schüler zeigen Vergiftungserscheinungen. Aber in ihrem Blut wird nichts gefunden. Nun wird eine Massenhysterie als Grund für die Symptome vermutet.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 12:30 Uhr

Hamburg-Niendorf | Eine Massenhysterie unter Schülern hat möglicherweise die Abi-Party am Donnerstag im Gymnasium Bondenwald in Hamburg-Niendorf aus dem Ruder laufen lassen. Nachdem etliche jüngere Schüler im Alter von 12 bis 14 Jahren mit Vergiftungserscheinungen in Krankenhäuser gebracht wurden, gaben die Mediziner Entwarnung. „Die Untersuchungen auf Drogen und Alkohol waren negativ. Einige Schüler wiesen Symptome wie vergrößerte Pupillen auf, was auch auf Aufregung zurückzuführen sein könnte“, sagte Dr. Franz Jürgen Schell von den Asklepios-Kliniken am Freitag. „Im Raum steht deshalb eine kollektive Massenhysterie.“ Wie konnte es dazu kommen, dass sich Dutzende sterbenskrank fühlten, obwohl dazu objektiv kein Anlass bestand?

Denn auch im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wurde bei Schülern kein Alkohol nachgewiesen. „Ich weiß nur, dass die Kinder hier völlig unauffällig und unbeeinträchtigt waren“, sagte Oberärztin Daniela Nolkemper. Aber sie seien sehr aufgeregt gewesen und hätten Angst gehabt. Die Ärztin vermutete ebenfalls eine Massenhysterie. Die sei möglicherweise durch eine Durchsage der Schulleitung ausgelöst worden, in der es hieß, dass die Feier abgebrochen werde, weil Drogen und Alkohol gefunden worden seien.

Peter Albrecht, Sprecher von Schulsenator Ties Rabe (SPD), rekonstruiert den Ablauf so: An dem Niendorfer Gymnasium hatte der Abgangsjahrgang am Donnerstagvormittag eine – vorgezogene – Abifeier veranstaltet. Motto: „Porno“. Schülerinnen erschienen in Lack, Leder und Strapsen, Jungs als coole Rapper und Zuhälter. Offenkundig fand einer der Teilnehmer, dass zur Ausstattung der anrüchigen Party unbedingt auch Alkohol gehört. Jedenfalls entdeckten Lehrer eine Whiskeyflasche ohne Inhalt. Ob diese von Schülern heimlich getrunken oder schon leer mitgebracht wurde, ist offen. Sprecher Albrecht: „Der Fund der Whiskeyflasche war der Grund für den Abbruch des Abistreichs.“ Die Schulleiterin habe die Feier per Lautsprecherdurchsage für beendet erklärt – ohne Angabe von Gründen.

Dennoch könnte der plötzliche Abbruch eine fatale Kettenreaktion in Gang gesetzt haben. Auch Schüler der unteren Jahrgänge waren anwesend und hatten aus den Fanta- und Colaflaschen getrunken. Mutmaßlich verbreitete sich unter den Fünft- bis Achtklässlern das Gerücht, die Getränke hätten Hochprozentiges enthalten. Als ein erster Junge über heftige Übelkeit klagte, riefen Lehrer Krankenwagen und Notarzt. Der Rettungseinsatz löste offenbar bei immer mehr Kindern das Gefühl aus, selbst etwas Giftiges zu sich genommen zu haben. Gerade in der Pubertät, so erklärt Mediziner Schell, seien solche kollektiven Überreaktionen nicht ungewöhnlich. Am Ende stand ein Großeinsatz mit 50 Rettern und 30 Fahrzeugen.

Für die Strafermittler ist die Sache erledigt. Polizeisprecher Holger Vehren: „Der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung hat sich nicht bestätigt.“ Die Schulbehörde attestiert den Bondenwald-Verantwortlichen, korrekt reagiert zu haben. Peter Albrecht: „Gesundheitliche Probleme dieses Ausmaßes müssen auf jeden Fall ernst genommen werden. Hier darf die Schule kein Risiko eingehen.“ Die Schulleiterin habe nur einen einzigen Krankenwagen angefordert – alles Weitere hätten die Rettungssanitäter veranlasst.

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