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Mehr als 50 Prozent sollen Abitur machen

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erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | In kaum einem anderen Bundesland machen so wenig Schüler eines Jahrgangs Abitur wie im Norden. Schleswig-Holsteins parteilose Bildungsministerin Waltraud Wende will das ändern. Von derzeit 45 Prozent will sie die Abiturientenquote auf deutlich über 50 Prozent erhöhen. Helfen soll dabei eine neue Schulstruktur, die bislang ungenutzte Bildungspotentiale hebt. Vor allem von den Gemeinschaftsschulen, in denen alle Kinder eines Jahrganges in abschlussunabhängigen Klassen unterrichtet werden, verspricht sich Wende Fortschritte. Der Unterricht finde hier im Gegensatz zu den früh aussortierenden Gymnasien in binnendifferenzierter Form statt. So steht es im Entwurf des neuen Schulgesetzes, das Wende gestern vorstelle.

Während die Ministerin sich dem Schulfrieden näher sieht denn je, nimmt die Opposition eher Kampfstimmung und Kriegsgeschrei wahr. Es sei völlig unverständlich, warum die Landesregierung einen "Konfrontationskurs einschlägt", erklärte FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn. "Die Aufregung im Land zeigt, dass diese Schulgesetznovelle nur Unfrieden stiftet und den Schulkampf befeuert", so ihre Wahrnehmung. Vor allem das Festhalten der Küstenkoalition am umstrittenen Turboabitur (G8) sorgt bei der Opposition für Protest. Die Abschaffung der Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Bildungsgang am Gymnasium begründe "sich allein aus Ideologie", so Klahn. Die "Selektionsrhetorik" von Wende sei demaskierend. Von Schulfrieden könne man auch deshalb nicht sprechen, weil sich Bürger bundesweit in Umfragen klar für die Rückkehr zu von G9 plädierten.

Ins gleiche Horn stößt Heike Franzen von der CDU, die durch die Gesetzesnovelle "ihre schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen sieht". Statt Durchlässigkeit zwischen den Schularten treibe Wende einen Keil zwischen die beiden übriggebliebenen Schularten. Das Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufen aus pädagogisch-didaktischen Gründen nicht mit benachbarten Gymnasien kooperieren dürfen, sei nur vorgeschoben. In Wirklichkeit unterstelle die Ministerin, dass die Gemeinschaftsschulen nicht in der Lage seien, Schüler auf den Besuch der gymnasialen Oberstufe vorzubereiten. "Diese Entwicklung ist der Rückschritt zum Gesamtschulabitur", so Franzen. Zwar habe Wende die Entscheidung über die Abschaffung der Schulartempfehlung in Verbindung mit einer Abschaffung der Querversetzung von Gymnasien an Gemeinschaftsschulen im Entwurf noch offen gelassen. "Ihr Kurs in Richtung klarer Abgrenzung zwischen Gemeinschaftsschule und Gymnasium ist jedoch eindeutig."

Wende hingegen betonte, das Abitur sei gleichwertig, unabhängig davon, ob es am Gymnasium oder an einer Gemeinschaftsschule erworben wird. "Es gibt kein Abi light", versicherte die Ministerin. Zugleich betonte sie, dass die bestehenden Kooperationen zwischen Gemeinschaftsschulen und den Gymnasium Föhr, Sylt, St. Peter-Ording, Gettorf, Hohenwestedt und Büsum Bestand haben.

Lob gab es von der SPD-Fraktion. Noch nie sei eine Schulgesetzänderung so gut vorbereitet worden, sagte Bildungspolitiker Martin Habersaat. Im Entwurf hätten sich nicht nur die Debatten der Politiker niedergeschlagen, sondern auch die Beiträge der Teilnehmer an den zwei Bildungskonferenzen.

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